KUNST: Tausendernoten-Klau: Alles nur inszeniert?

Am vergangenen Wochenende sind aus einer Kunstausstellung in Giswil drei Tausendernoten weggekommen. Nun hat sich der Dieb anonym gemeldet. Sagt die Künstlerin. Das macht skeptisch.

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Daniela Dändliker in ihrer Installation. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Daniela Dändliker in ihrer Installation. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Gemäss einem am Freitag an die Medien weitergeleiten Mail habe Daniela Dändliker per E-Mail einen «Lockruf zur Übergabe» der drei am letzten Samstag scheinbar gestohlenen 1000er-Noten erhalten, unterzeichnet von «Die Tausendsassas». Die Übergabe soll am kommenden Sonntag um 14 Uhr in der Turbine in Giswil stattfinden, dem Ort, wo Dändlikers Installation «Bankgeheimnis» steht.

«Scheinbar eine künstlerische Reaktion»
Als Anhang liegen dem Schreiben drei Fotos bei, welche eine unter Glas gelegte und an die Wand gehängte 1000er-Note sowie daneben eine Art Schild mit der Aufschrift «Tausendsassas. a&a, 8. Juli 2008. Installation, Tausendernote, Glasplatte, Spiegel, Flies» (siehe Bild unten). Dändliker zufolge, die am Freitag für eine Stellungsnahme nicht zu erreichen war, «scheint es sich um eine künstlerische Reaktion zu handeln». Nun sei sie gespannt, wie es in dieser Sache weitergehe.

Die 24-jährigen Abgängerin des Studiengangs Design & Kunst an der Hochschule Luzern hatte über die Medien an den oder die Diebe der drei grossen Scheine appelliert, sich bei ihr zu melden. Gemäss ihren Angaben waren diese am Tag der Eröffnung ihrer Installation innert kürzester Zeit gestohlen worden. Dabei wäre es das Ziel gewesen, dass sich der Betrachter beim unbeobachteten Ansehen der Tausender über Moral reflektiert hätte (siehe Artikelverweis).

Durch die Agentur in die weite Welt hinaus
Ausgehend von einem Artikel im Kulturteil der Neuen Luzerner Zeitung vom vergangenen Dienstag hatte die Nachricht vom speziellen Diebstahl über die Nachrichtenagentur sda schweizweit (auch auf italienisch und französisch) schnell die Runde gemacht und auch zu Nachzugsartikeln angeregt. Scheinbar ist bislang nie jemand auf die Idee gekommen, dass die ganze Aktion genauso gut auch inszeniert sein könnte und von vornherein zu Dändlikers Konzept der Installation dazugehörte.

Da die Künstlerin nicht erreicht werden konnte, ist dies natürlich pure Spekulation. Der Verdacht drängt sich jedoch – ohne damit Daniela Dändliker persönlich zu nahe treten zu wollen, Irrtum vorbehalten – aufgrund des heutigen Mails und generell der ganzen «Karriere» der Geschichte auf. Dies auch, weil die Kunstschul-Abgängerin gemäss einem Artikel von «20 Minuten» eine Aussage bei der Polizei, die inzwischen in dem Fall ermittelt, verweigert hat und unbedingt möchte, dass das Verfahren eingestellt wird. Und dies, wo doch 3000 Franken für eine 24-jährige Studentin durchaus nicht als Pappenstiel zu bezeichnen sind. Und dass sich ein Dieb mit einem Kunstwerk zurückmeldet, scheint mehr als an den Haaren herbeigezogen.

Auch die Kunst gehört zur Gesellschaft
Es wäre beileibe nicht das erste Mal, dass durch Kunst (oder aber durch PR von Werbern) offengelegt wird, wie Medien durch Irritation zum Funktionieren angeregt werden können. Sobald mit den Ermittlungen der Polizei jedoch eine sehr reale Konstante ins Spiel kommt, wird überdeutlich, dass sich Kunst keineswegs in einem luftleeren Raum abspielt. Nicht aus ihrer Haut heraus können aber auch die Medien, die selbst im tatsächlichen Fall eines Fakes im umkämpften Nachrichtenmarkt kaum umhin kommen werden, mindestens noch einmalüber das Thema zu berichten. Das sind sie ihren Lesern der Aufklärung halber schliesslich schuldig, damit der Streuung der inszenierten Nachricht indirekt natürlich weiteren Vorschub leistend.

Es bleibt momentan nichts anderes übrig, als möglichst unvoreingenommen abzuwarten, was sich am kommenden Sonntag, dem (sinnigerweise?) letzten Tag, an dem die Ausstellung gezeigt wird, in Giswil abspielen wird. Am (heutigen) Freitagabend hat im Grand Casino in Luzern übrigens die Diplomfeier der rund 120 Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Luzern – Design und Kunst stattgefunden. Eine der erfolgreich Abschliessenden ist – Daniela Dändliker.

Dave Schläpfer/Zisch