Kloster Engelberg
«Langer Fortbestand ist ein Zeichen»

Seit 1881 ist das Kloster Conception in Amerika eigenständig. Nach wie vor gross ist für Abt Benedict Neenan die emotionale Bindung zum Mutterkloster in Engelberg, das er in diesen Tagen mit einer Pilgergruppe aus Conception besucht hat.

Beat Christen
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Wieder zu Hause, wenn auch nur als Kopie: Abt Benedict Neenan (rechts) übergibt Abt Christian Meyer die 1881 von Abt Anselm Villiger unterzeichnete Selbstständigkeitserklärung für die Engelberger Tochtergründung in Conception.

Wieder zu Hause, wenn auch nur als Kopie: Abt Benedict Neenan (rechts) übergibt Abt Christian Meyer die 1881 von Abt Anselm Villiger unterzeichnete Selbstständigkeitserklärung für die Engelberger Tochtergründung in Conception.

Bild: Beat Christen (Engelberg, 16. Mai 2022)

Mit einem feierlichen zweisprachigen Mittagsgebet trat die Pilgergruppe vom Kloster Conception ihren Heimaturlaub in Engelberg an. Dabei überraschte Conception-Abt Benedict Neenan den Engelberger Abt Christian Meyer mit der Übergabe einer Kopie von jenem Dokument, mit dem Engelberg das Kloster Conception 1881 in die Selbstständigkeit entliess.

Abt Benedict Neenan, Sie weilen mit einer Pilgergruppe aus Conception in Engelberg. Ist dies Ihre erste Reise zum Mutterkloster Ihrer Abtei in Amerika?

Abt Benedict Neenan: Als Mönch durfte ich unser Mutterkloster schon viermal besuchen. Die Reise jetzt ist dennoch etwas Besonderes für mich. Ich besuche Engelberg zum ersten Mal als Abt von Conception.

Was ist der Grund für diese Pilgerreise?

Ursprünglich war die Reise im Jahre 2020 aus Anlass des Engelberger Kloster-Jubiläums geplant. Wie wir alle wissen, hat die Covid-19-Pandemie dann alle Pläne zunichtegemacht. Wir wollten diese Reise jedoch unbedingt machen, weshalb wir nun hier in Engelberg sind.

Seit 1881 ist das Kloster Conception eine eigenständige Abtei und somit nicht mehr dem Kloster Engelberg unterstellt. Gibt es heute noch Verbindungen von Conception mit dem Mutterkloster?

Da jedes Benediktinerkloster eigenständig ist und autonom für sich sorgen muss, sind die direkten Verbindungen klein. Nach wie vor sehr gross ist die emotionale Bindung. Und immer dann, wenn unsere jungen Mitbrüder ihre Ausbildung im benediktinischen Zentrum in Rom absolvieren, verbringen sie ihre Ferientage in Engelberg.

Neben Conception gibt es mit Mount Angel eine zweite Engelberger Tochtergründung in Amerika. Anfänglich war die Ausrichtung der beiden Klöster Grund für Meinungsverschiedenheiten. Wie ist heute das Verhältnis zwischen den beiden Klöstern?

Das Verhältnis ist sehr gut. Kürzlich wurde die Geschichte von Mount Angel aufgearbeitet. Dabei hat es sich gezeigt, dass die Verbindung enger war, als bisher angenommen. Unser Gründerabt Frowin Conrad hat einen wesentlichen Beitrag zum Fortbestand von Mount Angel beigetragen. Heute hat man diese Tatsache leider etwas vergessen. Die Aufarbeitung war ein wichtiger Beitrag für die Geschichte der beiden Engelberger Tochterklöster.

Hoher Besuch im Kloster Engelberg: Abt Christian Meyer (Mitte) begrüsste Abtprimas Gregory Polan (links) sowie Abt Benedict Neenan aus Conception.

Hoher Besuch im Kloster Engelberg: Abt Christian Meyer (Mitte) begrüsste Abtprimas Gregory Polan (links) sowie Abt Benedict Neenan aus Conception.

Bild: Beat Christen (Engelberg, 16. Mai 2022)

In der Schweiz ist es nicht einfach, junge Menschen für ein Leben im Kloster zu begeistern. Haben auch Sie in Conception Nachwuchsprobleme?

Mitte des 20. Jahrhunderts verzeichneten wir viele Berufungen zum Mönchstum und zum monastischen Leben. Auch wenn heute bei uns sieben junge Männer in unterschiedlichen Ausbildungsstufen leben und mitarbeiten, haben wir wie die Klöster in der Schweiz Nachwuchssorgen.

Ist die Arbeit von Ihnen als Abt mit jener von Abt Christian Meyer im Mutterkloster Engelberg vergleichbar?

Ich denke schon. Grundsätzlich ist es die Aufgabe des Abtes, für den Zusammenhalt unter der Mönchsgemeinschaft zu sorgen. Gleichzeitig ist er der Aussenminister und muss sich wie der CEO eines Unternehmens auch mit Politik und Wirtschaft beschäftigen. Da Benediktinerklöster eigenständig sind, ist ein Abt immer auch damit beschäftigt, die für das Leben der Gemeinschaft erforderlichen finanziellen Mittel zu beschaffen. Ich denke, dass sich Abt Christian mit den gleichen Aufgaben beschäftigen muss.

Auszeit bei der Statue von Abt Adelhelm, dem ersten Abt des Klosters Engelberg. Abt Christian Meyer (links) und Abt Benedict Neenan vom Kloster Conception in Amerika, das 1873 von Engelberg gegründet worden war.

Auszeit bei der Statue von Abt Adelhelm, dem ersten Abt des Klosters Engelberg. Abt Christian Meyer (links) und Abt Benedict Neenan vom Kloster Conception in Amerika, das 1873 von Engelberg gegründet worden war.

Bild: Beat Christen (Engelberg, 16. Mai 2022)

Engelberg hat eine 902-jährige Geschichte. Ist diese bei den jungen Mönchen in Conception noch präsent?

Selbstverständlich. Auch wenn bei uns vieles kurzlebiger und selbst Amerika noch nicht so alt ist, versuchen wir diese lange Geschichte von unserem Mutterkloster zu vermitteln. Noch wichtiger als die Geschichte ist jedoch die Suche nach Antworten auf Fragen wie, warum tun wir das, was wir tun, warum gehen wir täglich zur Arbeit oder gehen ins Kloster. Der lange Fortbestand eines Klosters ist für mich ein Zeichen dafür, dass es eine Bestimmung hat. In all den Jahren hat sich das Zusammensein mit Christus verändert und wird heute anders empfunden als bei den Gründungen unserer Klöster. Die Werte sind jedoch über alle Generationen hinweg die gleichen geblieben.

Zwei Tochtergründungen in Amerika

Die Verschlechterung des Verhältnisses von Kirche und Staat führten in der Schweiz zum Kulturkampf. Unter dem Nidwaldner Abt Anselm Villiger (1825–1901) wurden auch in Engelberg Vorkehrungen zur Evakuierung des Klosters getroffen. 1873 entsandte Abt Anselm Villiger (1825–1901) als Präventionsmassnahme die beiden Mönche Frowin Conrad (1833–1923) und Adelhelm Odermatt (1844–1920) nach Amerika, mit dem Auftrag, nach einer neuen Heimat Ausschau zu halten. 1873 wurde das Kloster Conception im US-Bundesstaat Missouri gegründet. Erster Abt war Pater Frowin Conrad. 1881 wurde das Kloster Conception eine eigenständige Abtei.

Adelhelm Odermatt aus Buochs konnte sich mit der von seinem Mitbruder Frowin Conrad angestrebten Beuroner-Ausrichtung des Klosters nicht anfreunden und zog weiter. 1882 gründete der Nidwaldner in Mount Angel (Oregon) das zweite Tochterkloster von Engelberg auf amerikanischem Boden. Mount Angel wurde 1904 eine eigenständige Abtei.

Seit 1932 ist das Kloster missionarisch in Kamerun tätig. 1964 gründeten sie ein Priorat auf dem Mont Fébé, das heute noch Abt Christian Meyer unterstellt ist.

Was wünschen Sie Ihrem Mutterkloster für die Zukunft?

Dass das Kloster noch lange in Engelberg bleibt und sich den verändernden Rahmenbedingungen so stellt, dass auch zukünftige Generationen hier monastisch wirken und leben können. Dabei soll die Beständigkeit und das Bekenntnis zu Jesus Christen erhalten bleiben.

Und welches sind Ihre Wünsche für das eigene Kloster in Conception?

Die gleichen.