Lungern: Alles begann mit einem Konzertflügel

Pro Lauwis feiert Geburtstag. Seit 30 Jahren bereichern Kulturfreunde ihr Dorf am Brünig mit einem facettenreichen Angebot.

Primus Camenzind
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Michael Wernli (links) und Simon Ledermann treten zum Jubiläum von Pro Lauwis in Elliott’s Café Bar in Lungern auf. (Bild: PD)

Michael Wernli (links) und Simon Ledermann treten zum Jubiläum von Pro Lauwis in Elliott’s Café Bar in Lungern auf. (Bild: PD)

Es begann im Frühjahr 1988 mit dem Ausbau eines Probe- und Veranstaltungslokals der Feldmusik Lungern im Gebäude der Mehrzweckhalle und – als zentrales Element – mit dem Erwerb eines Konzertflügels. «Die Musikanten stellten schon bald fest, dass dieses tolle Instrument vom eigenen Verein zu wenig bespielt werden konnte. Die Idee der Gründung eines Vereins mit dem Ziel, in diesem akustisch hervorragenden Raum Konzerte, Dichterlesungen und andere kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, war geboren», erklärt Marlis Vogler, Präsidentin von Pro Lauwis, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Weil die Initiative aus Kreisen der Feldmusik Lungern kam, standen Konzerte und andersartige musikalische Darbietungen seit jeher im Vordergrund. «Und das ist bis heute so», ergänzt Marlis Vogler. Anlässe fanden in den vergangenen 30 Jahren jedoch auch ausserhalb des Mehrzweckgebäudes, in der Pfarrkirche, im Theatersaal des alten Schulhauses, in Restaurants und im Pfarreisaal statt. «Wir organisieren pro Jahr zwischen sechs und neun Anlässe», sagt die Pro-Lauwis-Präsidentin. Als ihre vier Kinder heranwuchsen, war es ihr möglich, die Veranstaltungen häufiger zu besuchen. «Und so wurde ich dann halt irgendwann – genauer gesagt vor acht Jahren – angefragt, ob ich das Präsidium des Vereins übernehmen möchte», führt Marlis Vogler aus.

Kulturelle Neugierde ist vorhanden

Sie bestätigt den Eindruck, dass im beschaulichen Lungern Kultur mit einer beachtlichen Bandbreite Anklang findet. «In der Tat: Schon bald einmal nach der Gründung bestand unser Verein aus rund 100 Mitgliedern. Der Bestand wuchs dann zwischenzeitlich bis auf 140 Mitglieder an; jetzt sind wir wieder bei stabilen 120 eingeschriebenen Kulturfreunden», erklärt Marlis Vogler.

«Unsere verschiedenen Veranstaltungen besuchen Leute – auch im fortgeschrittenen Alter – die neugierig und offen für Neues sind. Etwas, das ich bei der jüngeren Generation hin und wieder vermisse. Sie ist eher an gängigen Trends interessiert». Pro Lauwis sei bemüht, auch breite Schichten der Bevölkerung anzusprechen. «In diesem Sinne fanden schon mehrmals volkskundliche Film- und Diavorträge oder Vorträge statt.»

Künstler mit Bezug zu Lungern

Das Jubiläumsprogramm 2018/2019 bestätigt die Tatsache, dass bei Pro Lauwis die Musik im Vordergrund steht. Beispielsweise ist am kommenden Samstag ein musikalisches Kabarett angesagt (siehe Kasten).

Ein «Abend über die Zeit»

Am kommenden Samstag um 20.30 Uhr steht in Elliott’s Café Bar in Lungern ein als Kabarett konzipierter «Musikalischer Abend über die Zeit» auf dem Programm. Der aus Obwalden stammende Schauspieler Simon Ledermann und der Zürcher Theatermusiker Michael Wernli machen «Poisä» und nehmen sich die Zeit, «endlich über die wichtigen Dinge im Leben» zu schwatzen. Sie kultivieren eine eigenwillige Form und «verdichten Geschichten, Sounds und Songs zu einem Bühnenereignis voll Komik und Wahnwitz, voll Poesie und ‹Poisä›». www.prolauwis.ch (cam)

«Finanziell stossen wir derzeit an unsere Grenzen», gibt die Präsidentin zu bedenken. Dies treffe vor allem zu, wenn bekannte Namen von ausserhalb engagiert würden. «Wir achten im Jubiläumsjahr jedoch darauf, dass besonders Künstler mit Bezug zu Lungern auftreten. Solche, die schon früher bei uns zu Gast waren.» Für das 30-Jahr-Jubiläum wurde ausserdem ein Werk an den jungen Obwaldner Komponisten Christoph Blum in Auftrag gegeben. Dieses solle den engagierten Künstlern als Inspiration und Grundlage für eine Wiedergabe in eigener Aufführungspraxis dienen.

Wie schaut die Zukunft von Pro Lauwis aus? «Wir hoffen schon auf Blutauffrischung», sagt Marlis Vogler, «es fehlt uns jedoch nicht am Willen, weiter zu machen. Es fehlt uns Lungerern eher an der Überzeugungskraft und einer gewissen Spontanität, auf die Leute zuzugehen und neue Mitglieder anzuwerben. Nur so geht’s», ist Marlis Vogler überzeugt.