Mehr Platz für Fische und Badende im Alpnachersee

Das Material zur Aufwertung des Südufers samt kleiner Badeinsel im Alpnachersee wird nicht wie einst geplant mit einem Förderband ans Ziel gebracht, sondern mit Lastwagen. Aus Kostengründen.

Markus von Rotz
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Aqua-Bios-Mitarbeiter untersuchen im Rahmen des «project lac» die Artenvielfalt im Alpnachersee. (Bild: Keystone/Urs Flüeler (11. September 2018))

Aqua-Bios-Mitarbeiter untersuchen im Rahmen des «project lac» die Artenvielfalt im Alpnachersee. (Bild: Keystone/Urs Flüeler (11. September 2018))

Das Südufer des Alpnachersees sei umwelttechnisch eine Herausforderung im Rahmen des Hochwasserschutzprojekts, wie Experte Christoph Rüedlinger am Dienstag an einer Infoveranstaltung sagte. Man bewege sich in einem Gebiet mit Flachmooren und einer Aue von nationaler Bedeutung.

Aktuell ist hier ein Aufwertungsprojekt geplant, mit dem man den Zielkonflikt Aue gegen Flachmoor lösen wolle. Es sehe vor Ort unter Wasser wesentlich weniger gut aus als darüber, sagte Rüedlinger. Die Lebensräume für Fische und andere Wasserlebewesen seien stark reduziert, wie Untersuchungen gezeigt hätten. «Das ursprüngliche Sarneraadelta ist durch langjährigen Kiesabbau teilweise abgetragen und Flachwasserzonen sind verschwunden. Durch eine teilweise Auffüllung der Baggerbuchten können Flachmoorflächen und -wasserzonen und ein dynamisches Delta geschaffen werden.»

Neue Badeinsel für die Bevölkerung

Im Klartext: Man will durch eine Aufschüttung von zirka 335 000  Kubikmetern Material (unter anderem mit Aushubmaterial aus dem Hochwasser-Entlastungsstollen und vom Wasserbauprojekt I, siehe Kasten) Platz für ein neues Flachmoor schaffen. Heutige Flachmoorzonen vor der Mündung würden als Aue umgestaltet. Auf der rechten Seeseite im Bereich der heutigen Bootsanlegestellen denke man auch an eine Badeinsel in der Flachwasserzone mit einem betretbaren Seezugang. «Wir möchten auch für die Bevölkerung etwas Neues schaffen», sagte Rüedlinger.

20'000 Lastwagenfahrten in einem Jahr

Es wurde geprüft, das Material für die Aufschüttungen via Förderband aus dem Stollen vor Ort zu bringen. Von dieser Idee kam man aber inzwischen ab. Es habe sich gezeigt, dass sich die Kosten für das drei Kilometer lange Förderband nicht rechneten, nicht zuletzt weil Strassen und andere Hindernisse überquert werden müssten. Neu soll das Material mit Lastwagen ans Seeufer und von dort mit einem Förderband in die Mündungsbucht gebracht werden. Es wird mit 20000 Fuhren während etwa eines Jahres gerechnet, wie Rüedlinger am Rande der Veranstaltung auf Nachfrage sagte. Pro Stunde sieben Fahrten, in Spitzenzeiten elf. Dafür seien Ausstellbuchten, Verbreiterungen und ein Fusswegprovisorium auf der Zufahrtsstrecke nötig. Die öffentliche Auflage für dieses Vorhaben (Sarneraa Alpnach II) ist für Mai/Juni 2019 geplant, Baubeginn ab Januar 2020.

Projekt liegt bald öffentlich auf

Die von zwei Dutzend Personen besuchte Veranstaltung vom Dienstag diente primär der Information über das Wasserbauprojekt Sarneraa Alpnach I – dem Abschnitt Etschischwelle bis Wasserrückgabe der Sarneraa-Kraftwerke. Dieses wird vom 26. Oktober bis 26. November auf der Gemeindekanzlei öffentlich aufgelegt. Der Kantonsrat hat dafür im Juni 2017 einen Kredit von 24,4 Millionen Franken bewilligt.
Das Vorhaben ist aufgrund von Rückmeldungen aus der ersten Infoveranstaltung im September 2017 und Verhandlungen mit Grundeigentümern überarbeitet worden. Hauptziel des Teilprojekts ist es, zu verhindern, dass mögliche Schadengebiete nach Inbetriebnahme des Hochwasser-Entlastungsstollens nach Alpnach verschoben werden.
Zwei markante Änderungen gibt es: Zum einen ist im Bereich des Überlastkorridors (Flugplatz südlich der ARA) kein Gewässerraum mehr nötig, will heissen: Dank rechtsufriger Ausweitung der Sarneraa (durch Aufgabe der heutigen Etschistrasse) gehe praktisch kein Kulturland mehr verloren, hiess es auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum. Der neue Hochwasserschutzdamm linksufrig soll auch als Velo-, Reit- und Wanderweg dienen. Im Hochwasserfall würde das über ihn hinweg fliessende Wasser gezielt zwischen ARA und Flugplatzgebäuden hindurchgeleitet. Für das vorgezogene Projekt des ARA-Ausbaus musste der Hochwasserschutz bereits separat sichergestellt werden. Zum anderen wird wie schon gemeldet der Geschiebesammler Schlierenrüti (Grosse Schliere) in das Projekt integriert, verbunden mit einer Teilöffnung des Abschlussdammes. (mvr)