Militär
Rätsel um eine Eule im Etschiwald

In Kerns wurde bei einem militärischen Unterstand ein Emblem erneuert.

Markus Villiger
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Initiant Bruno Bommeli freut sich über die gelungene Restaurierung der Eule beim Felsunterstand im Etschiwald Kerns.

Initiant Bruno Bommeli freut sich über die gelungene Restaurierung der Eule beim Felsunterstand im Etschiwald Kerns.

Bild: Markus Villiger (Kerns, 8. April 2021)

Während des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs wurden auch in Ob- und Nidwalden unzählige militärische Anlagen erstellt. Vor wenigen Jahren wurden auf der Rengg, dem Übergang von Alpnachstad nach Hergiswil, verschiedene Symbole, die in den Felsen gemalt sind, fachgerecht restauriert. «Wir konnten so Erinnerungen an den Aktivdienst retten, die der Nachwelt erhalten bleiben», sagt der Initiant Bruno Bommeli aus Alpnach. Der Oberst aD beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte von militärischen Anlagen.

Grundsätzlich geht es dem 88-Jährigen darum, die Inschriften und Zeichnungen der ehemaligen «Truppenmaler» zu erhalten und wenn möglich unter Schutz zu stellen. Bei den militärischen Anlagen geht es aber auch darum, den Verwendungszweck herauszufinden.

«Im Frühjahr 2018 hat mich ein Kamerad von Basel auf die Eule aufmerksam gemacht. Sie war in einer Broschüre des VBS zusammen mit einem Text enthalten. Vorher waren mir die Eule und die Unterstände unbekannt. Interessant ist, dass der Standort nur einige 100 Meter von meinem Wohnort entfernt ist.» Nun begann eine grosse Suchaktion. Bruno Bommeli wollte wissen, wo sich diese Anlage befindet. «Nach Rücksprache mit dem Verfasser des Textes erfuhr ich den Standort. Er liegt im Etschiwald in der Gemeinde Kerns und ist relativ schwierig zu finden», so Bruno Bommeli weiter. Die Felsunterstände wurden 1958 durch das Sappeur Bataillon 8 erstellt.

«Keine Untergrund­organisation»

Auf die Frage, welchem Zweck die drei Unterstände in Kerns dienten, führt Bommeli aus: «Innerhalb des Territorialdienstes wurden im Kalten Krieg (1947–1989/92) die ersten Widerstandsvorbereitungen getroffen. Obwohl die Landesverteidigungskommission (LVK) 1951 beschlossen hatte, keine besondere Untergrundorganisation zu bilden, setzte sich der Territorialdienst im Rahmen verschiedener Übungen mit dem Problem einer «Untergrund- oder Widerstandsbewegung» auseinander. »

Nach dem Einmarsch der Russen in Ungarn 1956 seien die Vorbereitungen ausgeweitet worden. In der ganzen Schweiz wurden Personen rekrutiert und in der Bedienung spezieller Funkgeräte geschult. Ziel war die Sicherstellung von Verbindungen zwischen den besetzten und den unbesetzten Teilen der Schweiz. Im Zuge der Reorganisation des Territorialdienstes wurden die Widerstandsvorbereitungen 1967 in die Untergruppe Nachrichtendienst und Abwehr (UNA) überführt, wo bereits seit einigen Jahrzehnten ein geheimes Funknetz aufgebaut worden war.

Im gleichen Zeitraum wurden vier weitere Anlagen des gleichen Typs erstellt, und zwar auf dem Bürgenstock im Raum Trogen-Honegg.

Die Eule ist das Emblem des Nachrichtendienstes

Das Kommando der Reduit Brigade 22 war der Auftraggeber für die drei Felsunterstände im Etschiwald. Als Verwendungszweck wurde ein Kommandoposten oder ein Unterstand für zwölf Mann verfügt. Mit der Korporation Kerns wurde am 30. Dezember 1958 ein Dienstbarkeitsvertrag abgeschlossen. Dieser beinhaltete auch das Zugangsrecht. Die drei Unterstände im Etschiwald sind nicht begehbar und mit einem eisernen Gittertor abgeschlossen.

Das Spezielle an einer dieser Anlage ist, dass rechts vom Eingang eine Eule aufgemalt ist. Dazu Bruno Bommeli: «Warum nicht das Symbol der Sappeure, zwei gekreuzte Beile? Die Eule ist das Emblem der Nachrichtendienste.» Vielleicht löst sich einmal das Rätsel, warum eine Eule und nicht zwei gekreuzte Beile an die Felswand gemalt wurde.

Werner Ettlin, Restaurator aus Fürigen, verlieh der Eule in aufwendiger Arbeit neuen Glanz. Die Restaurierungsarbeiten an der Eule auf einer Höhe von rund 560 Metern, ohne Zufahrt, war sehr zeitintensiv. An den Restaurierungskosten beteiligte sich der Kanton Obwalden, die Gemeinde Kerns sowie Privatpersonen mit Beiträgen.

Wer diesen geschichtsträchtigen Ort mit der Eule auf dem Felsen besichtigen möchte, kann mit dem Auto von Alpnach Dorf bis zum Gebiet Etschi fahren, anschliessend zu Fuss westlich die Wiese zum Wald queren. Nach kurzem Aufstieg gelangt man direkt zum Felsunterstand mit dem Emblem Eule.