Musik & Literatur am Melchsee
Schöne Lieder und unheimliche Sagen

Mit der neusten gesanglichen Liebeserklärung an den Heimatkanton «S’isch usinnig scheen bi yys ds Oobwald» verabschiedeten sich am Sonntagmittag die Kernser Singbuben in der Frutt-Kapelle vom Publikum. Zuvor hatten die vier Singbuben mit dem Jodelduett Fabienne und Adrian Lieder und Juiz präsentiert.

Robert Hess
Drucken
Die Kernser Singbuben an der 20. Ausgabe von Musik & Literatur am Melchsee in der Fruttkapelle.

Die Kernser Singbuben an der 20. Ausgabe von Musik & Literatur am Melchsee in der Fruttkapelle.

Bild: Robert Hess (Melchsee-Frutt, 12. Juni 2022)

Selbstverständlich gehörte zu den Darbietungen auch die «alte» gesangliche Liebeserklärung an den Kanton, das Lied «Oh, mis liebs Obwaldner Ländli» dazu. Mit «Vo Luzärn gäge Wäggis zue», «Det äne am Bärgli», «Summervegeli», «Dr Chärnser», «Dui bisch äs härzigs Meiteli» und vielen anderen schönen Liedern sangen sich die vier Buben in die Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer in der Frutt-Kapelle.

Viel grösser wäre die Freude bei den anwesenden Freunden und Gönnern der Kernser Singbuben gewesen, wenn der 1949 von Jost Marty gegründete Chor nicht mit Nachwuchssorgen zu kämpfen hätte. Von früher 16 Buben ist der Chor auf ein halbes Dutzend geschrumpft. Das Freizeitangebot ist für die Jungen eben heute sehr gross und vielfältig, doch der Trägerverein und vor allem auch die Leiterin Myriam Ettlin wollen alles dafür tun, dass es die Kernser Singbuben auch künftig gibt. Willkommen sind auch Buben aus anderen Obwaldner Gemeinden oder aus Nidwalden. Aber Buben müssten es sein! Myriam Ettlin ist Kontaktperson und führt auch «Schnupperproben» durch.

Die Matinee existiert seit dem Jahr 2000

Angesagt war am Sonntag die wegen der Pandemie zweimal verschobene 20. Frutt-Matinee «Musik und Literatur am Melchsee», zu der Gemeinderat Stephan Flück zu Beginn begrüsste hatte. «Mit dieser Veranstaltungsreihe möchte der im Jahr 2000 gegründete Trägerverein Ehemalige und Freunde der Kernser Singbuben neben dem Chorgesang auch einen Beitrag zur Förderung der einheimischen Literatur leisten», so der Aktuar des Vereins weiter. Der Anlass findet immer in der Frutt-Kapelle und meistens am ersten Sonntag der Frutt-Sommersaison statt. Einige Besucherinnen und Besucher mehr wären am vergangenen Sonntag willkommen gewesen, doch die Sonne lockte eben auch. Immerhin war der Kernser Gemeinderat mit Beat von Deschwanden, Stefan Flück – zwei ehemaligen Singbuben – sowie Pius Hofer vertreten.

Aus dem Reich der Sagen

Für den traditionellen literarischen Teil des Anlasses war diesmal Ignaz Egger aus Giswil besorgt. Mit markanter Stimme umrahmte er die gesanglichen Darbietungen der Singbuben mit Sagen rund um Kerns, die der 2020 verstorbene Pfarrer Karl Imfeld über Jahre gesammelt und in einem Buch aufgezeichnet hatte. Egger verstand es ausgezeichnet, die sprachlichen Besonderheiten des Dialektes von Pfarrer Imfeld in seine Vorträge aufzunehmen und das Publikum in die oft harten Geschichten und Begebenheiten mit dem entsprechenden Nachdruck in der Stimme mitzunehmen. Die folgende kurze Sage nach Aufzeichnung von Pfarrer Imfeld möge einen Einblick in die Welt der Kernser Gespenster vermitteln:

«Nu vor zwenzg Jahrä hed mä a dr Wisserler-Chappelä ai d Galgächappelä gseid, wil ganz friächer dert ussä der Galgä gschtandä isch.

Im Winter - äs isch amenä Aabä gsi - isch der Briäfträger chrydäbleichä afä vo Wysserlä i d Poscht umächo. Was ai midem syg, hed der Poschthalter gfragd. Der Briäfträger heds schiär nid firäbrachd. Bi der Galgächappelä syg im äs gruisigs Gschpeischt verko. Äs heig der Chopf underem Arm treid und mid dä Zendä pflätsched.»