Nationalfeiertag
«Wir dürfen stolz sein!» - Gedanken der höchsten Obwaldnerin zum 1. August

Die höchste Obwaldnerin, Kantonsratspräsidentin Regula Gerig-Bucher, ist dankbar für unsere Heimat. Um einer Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken, müsse man wieder einen Schritt aufeinander zugehen.

Regula Gerig-Bucher, Kantonsratspräsidentin in Obwalden
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Die höchste Obwaldnerin, Regula Gerig-Bucher sitzt am Alpnachersee und denkt über ihre Heimat nach.

Die höchste Obwaldnerin, Regula Gerig-Bucher sitzt am Alpnachersee und denkt über ihre Heimat nach.

Bild: Boris Bürgisser (Alpnach, 21. Juli 2022)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

«Da wo Obwaldä z Tor uiftuäd» heisst die erste Zeile im Alpnacherlied, welches vom Alpnacher Robi Barmettler komponiert und von Josef Konrad Scheuber getextet wurde.

Wenn ich Heimat mit einem Ort in Verbindung bringen soll, dann ist es der Blick nach dem Lopper ins Obwaldnerland. Da geht das Herz auf. «So scheen wiä da, cha’s niänä sy, ich schriib es a d’Pilatuswand», dieser Teil der dritten Strophe im Alpnacherlied beschreibt für mich sehr treffend unseren Kanton Obwalden.

Ein Symbol der Einigkeit

Im Frühling fuhr ich im Zug durch den Loppertunnel in Richtung Alpnach und ein Touristenpaar sass im Abteil gegenüber. Der Blick nach Obwalden begeisterte die zwei und sie zeigten ihre ­Freude lautstark. Ein gemeinsamer Moment verband in diesem Augenblick die bunt gemischte Gruppe im Zugabteil. Wir dürfen stolz sein auf unsere Heimat.

Der Nationalfeiertag ist für mich eine Gelegenheit zum Innehalten und dankbar sein für unsere Heimat. In den letzten beiden Jahren wurden wir durch die Coronapandemie und den Ukraine-Konflikt wieder an unsere Grundbedürfnisse erinnert. Gesundheit und Sicherheit sind wichtige Werte, die für uns plötzlich nicht mehr einfach selbstverständlich sind.

Die Pandemie spaltete unsere Gesellschaft. Schweizerkreuz und Fahrtrinkeln wurden als Symbole durch die Coronaskeptiker besetzt. Besinnen wir uns wieder auf das «Tor uiftuä», treffen wir uns und feiern wir die Schweiz an ihrem Geburtstag mit der Schweizerkreuzfahne als Einigungssymbol für die gesamte Schweiz, unabhängig der politischen Gesinnung.

Andersdenkende Menschen regen uns an, über unsere eigenen Werte nachzudenken. Was ist mir wichtig, dass es erhalten bleibt, und bei welchem Schritt nach vorne kann ich mich und uns weiterentwickeln? Diese Frage lenkte über die letzten 731 Jahre, seit der Gründung der Eidgenossenschaft auf dem Rütli, unsere Vorfahrinnen und Vorfahren. Über all die Jahre wurden viele richtige Entscheide gefällt. Wir können unsere Meinung äussern und leben in einer gut funktionierenden Demokratie. Tragen wir Sorge dazu.

Es braucht Frauenpower

Nicht der Einzelne steht im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Ganze. Dazu gehört auch eine angemessene Vertretung der Geschlechter, der verschiedenen Generationen und Kulturen. In diesem Jahr feiern wir in Obwalden 50 Jahre Frauenstimmrecht. Leider ist es auch das Jahr mit 11 Prozent weniger Frauenanteil im Parlament und einer abgewählten Regierungsrätin. Wo bleibt da die angemessene Vertretung?

Wir sind angehalten, unsere Kräfte zu bündeln, um in Zukunft mehr Frauen in einflussreiche Positionen zu wählen. Es braucht die Frauenpower in den politischen Gremien wie auch in der Wirtschaft.

Integration ist auch von Bedeutung, wenn wir die Hindernisfreiheit für alle umsetzen wollen. Es geht nicht nur um barrierefreien Zugang für Rollstuhlfahrer, Eltern mit ihren Kinderwagen oder Seniorinnen und Senioren mit ihren Rollatoren. Es geht um die Achtsamkeit im Alltag. Wie reagieren Sie, wenn sich eine Person sehr auffällig benimmt im Einkaufsladen? Schauen Sie weg, oder versuchen Sie, ihr behilflich zu sein? Vielleicht ist es eine Person mit einer Demenzerkrankung, die Unterstützung braucht. Vielleicht hat die Person nur einen schlechten Tag und zeigt es auf diese Weise ihrer Umwelt.

Je weiter wir unser Denken öffnen, umso mehr können wir auch von den Anderen lernen. Das ist nach den zwei Jahren der Corona Pandemie und dem gebildeten Spalt in unserer Gesellschaft von grosser Bedeutung. Bleiben wir achtsam! Nutzen wir den Geist unseres Nationalfeiertages, reichen uns die Hände und verbinden wir uns, um gemeinsam mehr zu erreichen!

Regula Gerig-Bucher, Kantonsratspräsidentin Obwalden

Regula Gerig-Bucher hat diesen Text zum 1. August auf Einladung unserer Zeitung geschrieben.