Obwalden
Die Wallfahrt der Obwaldner Stellvertreter

32 Personen der Obwaldner Pfarreien pilgerten zur Gnadenmutter nach Einsiedeln. Die Erstkommunikanten mussten zu Hause bleiben.

Markus Villiger
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Die 32-köpfige Pilgergruppe aus Obwalden in Einsiedeln.

Die 32-köpfige Pilgergruppe aus Obwalden in Einsiedeln.

Bild: PD

Es war eine ganz besonders eindrückliche Wallfahrt nach Einsiedeln. Die sogenannte Stellvertretungswallfahrt konnte auf Empfehlung des Klosters Einsiedeln und nach Absprache mit dem Obwaldner Regierungsrat am Dienstag durchgeführt werden. Wegen Corona musste der Regierungsrat die offizielle Landeswallfahrt mit 299 Erstkommunionkindern absagen. In seiner Begrüssung bedauerte Landammann Christian Schäli im Oratorium, dass auf den Gottesdienst in der Klosterkirche mit den Kindern verzichtet werden müsse. Immerhin konnte nach der Absage im vergangenen Jahr wenigstens diese stellvertretende Wallfahrt stattfinden.

Landammann Christian Schäli bei seiner Anspache.

Landammann Christian Schäli bei seiner Anspache.

Bild: PD

Der Landammann betonte im Beisein von 32 Pilgern aus den Obwaldner Pfarreien und den beiden Regierungsräten Christoph Amstad und Josef Hess, dass die aktuelle Extremsituation von allen Menschen viel Durchhaltewillen und Verständnis erfordere. «Die Meinungen und Interessen gehen gerade jetzt zum Teil weit auseinander, wenn auch alle das gleiche Ziel haben: zurück zur Normalität.»

Gottesdienst im Oratorium

Gottesdienst im Oratorium.

Gottesdienst im Oratorium.

Bild: PD

In der früheren Studentenkapelle versammelte sich die Pilgerschar zum Gottesdienst, der von Dekan Bernhard Willi gestaltet wurde. In seiner Predigt ging es um Stellvertretung, weil es sich ja auch um eine Stellvertretende Obwaldner Landeswallfahrt handelte. So könne man sagen, dass die 12 Apostel so wie eine Art Stellvertreter von Jesus sind. «Aber eigentlich gilt als Stellvertreter nur Petrus und dieser Begriff ging dann mit der Zeit auf den Papst über», erwähnte Dekan Bernhard Willi.

Abt Urban Federer begrüsste die Obwaldner Pilger mit den Worten: «Wir können denken und planen – es kommt anders als gedacht.» Ein Kunstobjekt, die sogenannte «Polenkrone» stehe für einen Einsiedler Pilger, bei dem alles anders kam, als er dachte. Er zeigte den Obwaldner Pilgern dieses Kunstwerk und erinnerte daran, dass Krone auf Lateinisch corona heisst. «Heutige Pilgerinnen und Pilger regt die Coronapandemie zum Bitten und zum Dank an. Wir bitten für alle Opfer von Corona im Kanton Obwalden und darüber hinaus: für die Toten, für Menschen mit Langzeitschäden, aufgrund der wirtschaftlichen Folgen für einzelne, für ganze Unternehmen und Staaten, für Menschen in der Pflege, für junge Menschen ohne Hoffnung und für Ältere in der Vereinsamung. Die Lebensperspektive, an die uns das Pilgern nach Einsiedeln erinnern kann, wünsche ich dem Volk und den Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Kirche des Kantons Obwalden.»

Die Regierungsräte Josef Hess, Christoph Amstad, Christian Schäli mit Abt Urban Federer und Dekan Bernhard Willi (von links).

Die Regierungsräte Josef Hess, Christoph Amstad, Christian Schäli mit Abt Urban Federer und Dekan Bernhard Willi (von links).

Bild: PD

Kraft und Weitsicht für den neuen Bischof

Die Vertreter der Obwaldner Pfarreien trugen Anliegen der Bevölkerung zur Gnadenmutter nach Einsiedeln. Ein solches Anliegen ist wie folgt formuliert: «Erbitte die Kraft und Weitsicht für unseren neuen Bischof Joseph, dass er in klugen und liebenden Entscheidungen gangbare und tragende Brücken bauen wird für die Menschen im Bistum Chur.»

Für alle 299 Obwaldner Erstkommunionkinder, die dieses Jahr nicht in Einsiedeln dabei waren, standen am Schluss kleine Säcke mit Schafböcken bereit. Diese offeriert das Dekanat. Den Erstkommunikanten wird durch die Pfarreien eine Wallfahrt mit der Familie im Lauf des Jahres empfohlen.