Obwalden
Ein Bischof aus Kamerun besucht Sarnen

In den vergangenen Tagen besuchte Bischof Paul Lontsié-Keuné aus Kamerun den Kanton Obwalden. Über die Schwestern von St.Andreas in Sarnen besitzt er einen besonderen Bezug in die Innerschweiz.

Mike Bacher
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Bischof Paul Lontsié-Keuné (3.v.l.) und Pater Césard Ricky Koa mit den Bewohnern des Benediktiner-Kollegiums in der Kollegiumskirche.

Bischof Paul Lontsié-Keuné (3.v.l.) und Pater Césard Ricky Koa mit den Bewohnern des Benediktiner-Kollegiums in der Kollegiumskirche.

Bild: Mike Bacher (Sarnen, 2.Juni 2022)

Seit 1938 sind die Benediktinerinnen von Sarnen in Kamerun engagiert. Nachdem das ursprünglich in Otélé gegründete Tochterkloster 1967 nach Mbouda-Babété verlegt wurde, erfolgte 1970 auch die Gründung des dortigen Bistums Bafoussam. Paul Lontsié-Keuné steht diesem seit seiner Ernennung im vergangenen Jahr als fünfter Bischof vor.

Aufbruch in Kamerun

Bereits vor drei Jahrzehnten kam Bischof Paul als junger Priester erstmals nach Sarnen, als er noch am Institut Catholique de Paris studierte. Oft kam er dabei in die Kollegiumskirche zum Gebet. Dies war auch der Grund, weshalb er dort am vergangenen Donnerstag das Konventamt mitzelebrierte. Für ihn stellt Obwalden ein Symbol guter Gastfreundschaft dar. Nicht nur im Rahmen des Gottesdienstes, sondern insbesondere auch im Alltag. So fällt ihm immer wieder auf, wie die Menschen sich auf der Strasse gegenseitig grüssen, was ein Zeichen des gelebten Miteinanders darstellt. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass die religiöse Praxis im Alltag generell in Europa zurückgehe, wie er im Laufe seiner Besuche zunehmend feststellt. Dies ist ein grosser Unterschied zu seiner Heimat. Die Aufbruchstimmung, etwa bei den Jungen und den Priestern, ist daher stärker spürbar. Allerdings lasse sich die Situation auf beiden Kontinenten nicht vergleichen. Während die Schweiz bereits vor langer Zeit christianisiert wurde, steht die Kirche in Kamerun noch am Anfang der Evangelisation.

Die Schwestern von Sarnen in Babété

Umso höher schätzt er daher die Verdienste der Schweizer Klöster ein, insbesondere der Benediktinerinnen von St.Andreas. Ihr Einsatz für den Aufbau eines Tochterklosters in Westkamerun hat wesentlich dazu beigetragen, dass das Christentum dort Wurzeln fassen konnte. Inzwischen leben im dortigen Kloster über 15 Schwestern mit einem jungen Durchschnittsalter. Als betende und arbeitende Gemeinschaft sei ein starkes Charisma vorhanden. «Es sind tapfere Schwestern. Ich bin stolz, sie in meinem Bistum zu haben.» Für ihn stellt sich im Rahmen der gegenseitigen Beziehung daher die Frage, was auch die afrikanischen Katholiken den Europäern für diese Impulse zurückgeben können. Ein gutes Beispiel für ihn ist Pater Césard Ricky Koa, der ins Benediktinerkloster Mont Fébé in der Hauptstadt Youndé als Mönch eintrat und nun als Spiritual bei den Benediktinerinnen von Sarnen wirkt. Das Kloster Mont Fébé wurde 1963/64 als Tochterkloster Engelbergs gegründet. Bereits seit 1932 waren die Engelberger Mönche in Youndé tätig.

Der Glaube im Alltag

Für die junge Kirche in Kamerun besteht nun eine Herausforderung darin, dass der Glaube im konkreten Alltag der Menschen Wurzeln schlagen soll. «Auch im täglichen Wirken muss man spüren, dass man getauft wurde.» Und insbesondere muss die Liebe und Barmherzigkeit das Leben durchdringen. Dies hat sich Bischof Paul zum besonderen Ziel seines Wirkens im Bistum gesetzt. Nicht zufällig wählte er als bischöflichen Wahlspruch die Passage deus caritas est – Gott ist die Liebe aus dem Johannesevangelium. Dazu gehört die Verkündigung, die ihm besonders am Herzen liegt, worauf er anlässlich des Konventamts in der Kollegiumskirche hinwies. Aus diesem Gedanken heraus wirkte er vor seiner Ernennung zum Bischof sowohl als Seelsorger wie auch als Dozent und Regens am Priesterseminar Maroua-Mokolo. Diese Verkündigung, welche die Schwestern aus Sarnen in Kamerun gelebt haben, soll die Brücke zwischen den Kontinenten bilden. «Ich wünsche, dass dieses Licht der Schwestern aus Sarnen nie erlischt.»