Obwalden
Ein Welttheater voller archaischer Figuren auf dem Landenberg

Stefan Rogger gewährt in seiner Ausstellung Einblick in seine Fantasiewelten. Das Publikum wird zum Mitträumen animiert.

Romano Cuonz
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Stefan Rogger lädt auf dem Landenberg zu einem Rundgang durch seine fantastische Welt ein.

Stefan Rogger lädt auf dem Landenberg zu einem Rundgang durch seine fantastische Welt ein.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 7. Oktober 2022)

Was ist das nur für ein Künstler, der eines Tages, unangemeldet und ohne Notwendigkeit, die Ateliers des Living Museums in der Psychiatrischen Klinik St. Gallen Nord in der Stadt Wil betritt? Ateliers, die eigentlich für Menschen mit psychischen Erkrankungen bestimmt sind, damit sie dort ihre unentdeckten künstlerischen Fähigkeiten einbringen und zeigen können. Der Sarner Stefan Rogger ist es! Einer, der seit seiner Jugendzeit an Aussenseiter-Kunst interessiert ist und zu surrealistischen Fantastereien, zur Art brut auch, neigt.

Werk aus der «Blauen Phase», die er in der psychiatrischen Klinik Wil lanciert hat.

Werk aus der «Blauen Phase», die er in der psychiatrischen Klinik Wil lanciert hat.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 7. Oktober 2022)

«Ich ging in dieses bekannte Atelier hinein, setzte mich zu den Patienten und begann, wie sie, zu malen. Das war für mich sehr inspirierend», erzählt Rogger. Begeistert habe er festgestellt, wie ehrlich das Schaffen dieser Menschen ohne Ausbildung und ohne Ambitionen auf eine Karriere sei. Wie unmittelbar aus dem Innern ihre Kreativität käme. «Bisweilen dachte ich, dass ich eigentlich auch zu ihnen gehören könnte», sinniert Rogger. «Dass ich einfach einer sei, der sich durch seine Kunst selbst geheilt hat.» Jedenfalls entstand im Living Museum eine ganz neue «Blaue Serie». Wundervolle kleine Zeichnungen, ja wortwörtlich Bilder «voll von Wundern» sind es. Darauf tummeln sich archaisch bunte Gestalten.

Aus der Traumwelt kommen viele von Stefan Roggers Gestalten.

Aus der Traumwelt kommen viele von Stefan Roggers Gestalten.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 7. Oktober 2022)

Ein weiterer Akt im skurrilen, ureigenen Welttheater, bei dem Stefan Rogger seit seiner Jugendzeit Regie führt. Auf Papier und Leinwand treten Protagonisten auf. In noch und noch neuen Posen und Kostümen. Unwirkliche Figuren sind es, beheimatet in einem Kosmos, der nur im Innersten von uns Menschen existiert. Diesem Spektakel beiwohnen kann man derzeit im Zeughaus auf dem Sarner Landenberg. Während eines Rundgangs durch die retrospektiv angelegte Ausstellung werden Besucherinnen und Besucher zu ungeahnt farbigen Träumereien angeregt. Ob jung oder alt: Entziehen kann man sich diesen Fantastereien kaum. Der Künstler dazu: «Weiterspinnend eigene Fantasien und geheimnisvolle, unbekannte Welten zu entdecken, ist für Kinder wie für Erwachsene ein Gewinn.»

Lieber Zeichnen als Latein

Geplant war die Ausstellung «Fantastereien» zu Stefan Roggers 60. Geburtstag. Wegen Corona wurde sie verschoben. Wie aufgelegte Alben zeigen, begann die Lust am Fantasieren bei Rogger schon in der Kindheit. Am Sarner Gymnasium kritzelte er mit seinem Aberwitz ganze Hefte voll. Der Lateinlehrer habe ihn in die Wüste oder gar zum Teufel geschickt, schmunzelt Rogger. Ungelegen kam ihm dies nicht. Jedenfalls besuchte der junge Obwaldner nach seinem Kunstgeschichtsstudium einen Schamanen im südamerikanischen Urwald oder Mönche in einem buddhistischen Kloster. «Ich war und bin mit meiner Kunst zeitlebens auf Sinnsuche», bekennt Rogger.

Skurrile Figuren tanzen durch jede von Stefan Roggers Ausstellungen.

Skurrile Figuren tanzen durch jede von Stefan Roggers Ausstellungen.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 7. Oktober 2022)

Eine wichtige Frage, die er sich, mit dem Pinsel in der Hand, stellt: «Wo ist das Himmelstor, durch das ich in meine Zauberwelt voller Kreativität gelange?» Die Antwort gibt er in der gegenwärtigen Ausstellung mit einem geheimnisvollen Bild. Das Tor ist eng. Aber golden! Aus welcher Phase Roggers Bilder auch stammen mögen – ob früh und grossformatig, ob mit Acrylfarben auf strukturierter Korkeiche, ob aus Schwarz gekratzt oder gar mit Tusche auf Hygienetüchlein gemalt –, nie lassen seine Landschaften und Fantasiegestalten einen unberührt. Wir tauchen ein und fühlen uns wieder in der fernen Märchenwelt, die wir in unserer Kindheit erlebt hatten.

Auch grossformatige Werke, wie sie am Anfang von Stefan Roggers Karriere standen, sind auf dem Landenberg zu sehen.

Auch grossformatige Werke, wie sie am Anfang von Stefan Roggers Karriere standen, sind auf dem Landenberg zu sehen.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 7. Oktober 2022)

Ausstellung von Stefan Rogger im Zeughaus, Landenberg Sarnen. «Fantastereien». Vom 8. bis zum 23. Oktober. Offen Samstag und Sonntag, 12 bis 17 Uhr.