OBWALDEN: Es liessen sich Millionen pro Jahr einsparen

Der Tod einer Kuh bei ihr zu Hause, ausgelöst durch weggeworfenen Müll, motivierte Christina Halter aus St. Niklausen, in ihrer Maturaarbeit dieser für Tiere tödlichen Gefahr nachzugehen. Und sie hat auch Vorschläge dagegen erarbeitet.

Romano Cuonz
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Christina Halter bei der Präsentation ihrer Maturaarbeit. (Bild: Romano Cuonz)

Christina Halter bei der Präsentation ihrer Maturaarbeit. (Bild: Romano Cuonz)

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Einige Monate, bevor ich mich für das Thema der Maturaarbeit entschied, ist auf dem väterlichen Hof eine trächtige Kuh gestorben, weil sie laut Tierarzt ein Stück Aluminium gefressen hatte», erzählt die Maturandin Christina Halter aus St. Niklausen. Aluminiumdosen, die aus Autos achtlos auf Wiesen geworfen würden, seien besonders gefährlich. «Leicht werden sie beim Mähen zerstückelt, und die Kanten, die dabei entstehen, sind scharf genug, um einer Kuh einen ihrer Magen zu durchbohren», stellt die Schülerin fest. Egal, ob sie mit ihrem Hund spazieren gehe oder den Eltern beim Heuen helfe, immer finde sie PET-Flaschen, Aludosen oder Zigarettenpackungen, erzählt die Bauerntochter.

Dabei sei ihr die Vermutung gekommen, dass Landabschnitte entlang der Hauptstrassen vom sogenannten Littering besonders betroffen seien. Mit dieser These stellte sie für ihre Maturaarbeit über Littering im Obwaldner Strassenverkehr zwei einfache Fragen: «An welchen Strassen wir am meisten gelittert?», und: «Warum gerade dort?» Um aussagekräftige Antworten zu finden und zu belegen, scheut sie dann keine Mühe. Sie zieht eine leuchtende Fleecejacke mit Reflektoren an, schreitet und fährt mit Mitarbeitern des Obwaldner Strasseninspektorats mehrere Strecken ab: etwa die Brünigstrasse von der A8-Zufahrt Sarnen-Süd bis zur Kantonsgrenze in Alpnachstad. Später die Stanser- und die Bollstrasse in Kerns, das Sarner Dorfzentrum, die Schwanderstrasse und die Strecke von Sachseln bis Giswil. Dabei fotografiert sie grösseren Müll und hält den genauen Fundort mittels GPS im Handy fest. Später, im Werkhof, wird der Abfall sortiert, gewogen und sorgsam in Tabellen eingetragen. «Bei meinen Touren habe ich insgesamt 39,5 Kilo Abfall eingesammelt», sagt Halter.

Mit diesen Daten stellt sie als wichtigstes Produkt eine interessante und wohl einzigartige Karte her mit allen Funden. Dazu erstellt sie aufschlussreiche Grafiken. Dank ihrer Arbeit können Fachleute und Politiker – und auch Laien – sehr leicht erkennen, wo auf Obwaldner Kantonsstrassen Abfall weggeworfen wird. Obwalden kann – anders als Nidwalden – für das Delikt Littering Bussen erteilen: zwischen 50 und 100 Franken. Ein nationales Gesetz gibt es bislang noch nicht.

Erstaunlich klare Erkenntnisse

Im Verlaufe ihrer Arbeit macht die Maturandin einige verblüffende Feststellungen. So kommt sie entgegen ihrer ursprünglichen Erwartung zum Schluss, dass es gar nicht die am meisten befahrenen Strecken sind, auf denen Leute den meisten Abfall wegwerfen. «Der Boll beispielsweise ist punkto Littering im Mittelfeld anzutreffen», hält sie fest. Weitaus stärker betroffen sei die Strecke von Sachseln Dorf bis Sarnen Süd. «Weniger befahren und doch so viel Müll!», staunt sie. Ja ganz allgemein falle auf, dass es bei Autobahnzubringern besonders viel Müll gebe. Zur Frage nach dem Warum folgert sie: «Vermutlich wollen die Verkehrsteilnehmer den Abfall noch loswerden, bevor sie auf die Autobahn fahren.» Auf Abschnitten, wo mit Tempo 80 oder mehr gefahren werde oder wo man leicht beobachtet werden könne, liege weitaus am wenigsten Abfall. Sehr oft fündig wird die Maturandin hingegen auf Park- und Rastplätzen oder in Haltebuchten.

Nicht zu lange liegen lassen

Anhand von Fakten, die sie mit Karten und Grafiken belegt, unterbreitet Halter auch einen Lösungsvorschlag: «Man könnte alle Parkplätze und Haltebuchten mit Mülleimern versehen, um so den Müll quasi abzufangen», schlägt sie vor. Vor allem aber müsse man sich bemühen, weggeworfene Objekte nicht zu lange liegen zu lassen. Sonst würde der sogenannte «Broken-Windows-Effekt» entstehen. Dieser besagt, dass vergleichsweise harmlose Phänomene bald zu völliger Verwahrlosung führen, wenn man nichts unternimmt. Frappant: Von den 39 Kilo Müll, den Christina Halter in zwei Gängen eingesammelt hat, nehmen Zigarettenverpackungen 4,4 Kilo ein! Sie teilen gar den zweiten Platz mit Lebensmittelverpackungen und Plastik. «Rauchen schadet der Umwelt doppelt», moniert die Maturandin. Auf Platz eins sind Papier und Karton. Es würde sich unbedingt lohnen, wenn Behörden dem Thema Aufmerksamkeit zukommen liessen, davon ist Christina Halter überzeugt. Denn: «Laut dem Bundesamt für Umwelt kostet die Entfernung solcher Abfälle die öffentliche Hand zirka 200 Millionen Franken pro Jahr.»