Obwalden
Kantonsrat unterstützt ein höheres Einschulungsalter

Das Parlament überweist eine Motion für einen früher angesetzten Stichtag deutlich. Der Regierungsrat hätte den Vorstoss lieber als Postulat entgegengenommen.

Martin Uebelhart
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Der Obwaldner Kantonsrat tagt in der Aula Cher Sarnen.

Der Obwaldner Kantonsrat tagt in der Aula Cher Sarnen.

Philipp Unterschütz (3. Dezember 2021)

In einer Motion verlangte Kantonsrätin Veronika Wagner (CVP/Mitte, Kerns), dass das Einschulungsalter im Kanton Obwalden erhöht werden und der gesetzliche Stichtag um drei bis fünf Monate früher angesetzt werden soll. Weiter wünschte sie, dass die Volksschulverordnung entsprechend angepasst werde.

Heute sei der Schuleintritt so geregelt, dass Kinder, welche bis und mit 31. Juli das fünfte Altersjahr erreicht haben, auf das folgende Schuljahr hin schulpflichtig werden, schreibt Motionärin Veronika Wagner. Somit seien die Kinder beim Eintritt in den obligatorischen Kindergarten erst fünfjährig, beim Übertritt in die erste Klasse sechsjährig. Das heisst, dass die jüngsten Kinder beim Eintritt in den freiwilligen Zweijahreskindergarten gerade mal vier Jahre alt sind. Dies verunsichere viele Eltern, weil die Kinder am Einschulungstag sehr jung seien. In der Volksschule respektive bei den Kindergartenlehrerinnen gebe dieser Stichtag für die Einschulung immer wieder Anlass zur Diskussion.

Letztmalige Anpassung 2019

In seiner Antwort stellte der Regierungsrat den Antrag, die Motion in ein Postulat umzuwandeln. Er sehe keinen sofortigen Handlungsbedarf, den Stichtag anzupassen, insbesondere auch, weil die letztmalige Anpassung erst im Sommer 2019 in Kraft getreten sei. Vor dem Hintergrund, dass alle Obwaldner Gemeinden in den letzten Jahren den Zweijahreskindergarten eingeführt hätten und damit ein grosser Teil der Kinder früher eingeschult werde, erachte es der Regierungsrat als richtig, den Kindergarteneintritt nicht nur bezogen auf den Stichtag, sondern umfassend zu evaluieren und dem Kantonsrat Bericht zu erstatten.

In der Beantwortung geht der Regierungsrat auf verschiedene Punkte in Zusammenhang mit der Einschulung ein. Während im Schuljahr 2015/16 im Kanton Obwalden 29 Prozent der Kinder das freiwillige zweite Kindergartenjahr besuchten, seien es im Schuljahr 2020/21 bereits 68 Prozent gewesen. Es sei damit zu rechnen, dass die Quote in Obwalden weiter rasch ansteigen wird. Denn mittlerweile würden alle Gemeinden ein zweites Kindergartenjahr anbieten. Im Kanton Obwalden besuchten interkantonal gesehen nach wie vor am wenigsten Kinder den Zweijahreskindergarten. Durch den vergleichsweise tiefen Anteil an Kindern, welche den Zweijahreskindergarten besuchten, sei das durchschnittliche Schuleintrittsalter der Obwaldner Kinder im Durchschnitt höher als in den anderen Kantonen.

Mit dem Eintritt in den Kindergarten beginne für die Kinder die Bildungslaufbahn in der Volksschule. Für die Kinder sei dies ein zentraler und bedeutender Schritt, der prägend für die weitere Schullaufbahn sein könne. Dieser Übergang sei sowohl für die Kinder als auch für die Eltern mit verschiedenen Herausforderungen verbunden, hält die Regierung weiter fest. Beim Eintritt in den Kindergarten unterschieden sich die Kinder bezogen auf ihr Wissen, ihr Können, ihren individuellen Entwicklungsstand und ihre sprachlichen Voraussetzungen in hohem Masse.

Relativer Alterseffekt kann nicht behoben werden

Durch die Setzung eines Stichtages betrage der Altersunterschied in jede Klasse ein Jahr. Aufgrund von Rückstellungen könne dieser Altersunterschied auf bis zu zwei Jahren anwachsen. Es gebe breite wissenschaftliche Evidenz, dass dieser Unterschied Einfluss auf die Leistung hat. Ältere Kinder hätten gegenüber den jüngeren Kindern einen messbaren Vorteil. Durch die Verschiebung des Stichtages könne dieser relative Alterseffekt jedoch nicht behoben werden, da der Altersunterschied unabhängig vom Stichtag gleich gross bleibe.

Die Gemeinden hätten bei der Gestaltung des freiwilligen zweiten Kindergartenjahres grosse Freiheiten. Da sich die Voraussetzungen der Kinder beim Eintritt in den Kindergarten stark unterschieden, seien für den Eintritt in den Kindergarten auch individuelle Lösungen grundsätzlich möglich. So könne der Kindergartenbesuch in den ersten Wochen oder auch über eine längere Zeit mit einer reduzierten Lektionenanzahl als Eingewöhnungszeit vereinbart werden. Insbesondere beim Schuljahresstart, aber auch je nach Bedarf, könnten in den Kindergärten Assistenzpersonen eingesetzt werden. Sei aufgrund von Entwicklungsverzögerungen eine Rückstellung angezeigt, sei auch eine solche möglich. Bei Bedarf könne der Schulpsychologische Dienst beratend beigezogen werden.

Spielraum soll ausgenützt werden

Sie habe insbesondere nach der Einreichung ihres Vorstosses viele positive Rückmeldungen erfahren und Gespräche mit Lehrpersonen und Eltern geführt, sagte Veronika Wagner am Freitag im Kantonsrat. Beim Einschulungstag bestehe ein Spielraum. Den gelte es auszunützen, wie dies andere Kantone auch schon gemacht hätten. Man könne das Problem bei der Wurzel packen und müsse keine lange Evaluation abwarten.

Der Regierungsrat sei ebenfalls der Meinung, dass der Start in den Kindergarten gut gelingen soll und dass Handlungsbedarf bestehe, sagte Bildungsdirektor Christian Schäli. Doch solle zuvor eine Auslegeordnung gemacht werden. Wenn der Kantonsrat die Motion überweise, zäume er das Pferd von hinten auf, befand er. Man verschiebe den Stichtag und schaue dann, ob es funktioniert.

Die Fraktionen schlugen sich mehrheitlich auf die Seite der Motionärin. Eine Motion bringe schnellere Ergebnisse, wurde argumentiert. Und auch bei einer Motion könne der Regierungsrat einen entsprechenden Bericht mitliefern.

Mit 36 zu 13 Stimmen bei einer Enthaltung entschied sich das Parlament dafür, den Vorstoss als Motion zu belassen und nicht in ein Postulat umzuwandeln. Mit 43 Ja zu 1 Nein überwies der Rat die Motion, 6 Ratsmitglieder enthielten sich der Stimme.