Obwalden
Kühler Boden hilft gegen problematisches Unkraut Borstenhirse

Seit vier Jahren macht der Obwaldner Landwirt Rolf Windlin Testversuche zur Bekämpfung der Borstenhirse. Nun liegen Ergebnisse vor.

Richard Greuter
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«Die andern Gräser haben kaum mehr eine Chance», sagt Rolf Windlin vom Betrieb Sack in Sarnen. Schuld daran ist die Graugrüne Borstenhirse, ein ausdauerndes Unkraut, das heisse Sommer liebt. Für Fachleute ist klar: Die Borstenhirse wird durch den Klimawandel zunehmend zur Herausforderung im Futterbau.

Als Bauer Windlin vor vier Jahren auf seinem Betrieb einen vierjährigen Testversuch startete, muss er zweifellos eine Vorahnung gehabt haben, was auf die Landwirte zukommt. Finden die kein Rezept, um die gefürchtete Borstenhirse einzudämmen, entstehen im Futterbau grosse Probleme. «Durch die trockenen, heissen Sommer hat sich das Thema Borstenhirse verstärkt», sagt Martin Amgarten vom Amt für Landwirtschaft und Umwelt Obwalden. Immerhin: «Im vergangenen, nassen Sommer war die Borstenhirse im Gegensatz zu diesem Jahr kaum in Erscheinung getreten.»

Rolf Windlin (links) und Martin Amgarten suchen nach Mitteln gegen die Borstenhirse.

Rolf Windlin (links) und Martin Amgarten suchen nach Mitteln gegen die Borstenhirse.

Bild: Richard Greuter (Sarnen, 23. August 2022)

Rinder können sich verletzen

Die Borstenhirse gedeiht vor allem an exponierten Südlagen mit viel Sonne und humusarmen Böden. Bei grosser Hitze und trockener Witterung findet das Unkraut ideale Bedingungen. «Die Borstenhirse nimmt den Platz ein von Futterpflanzen, welche die Hitze und Trockenheit schlecht vertragen», sagt der 40-jährige Landwirt Windlin bei einem Besuch auf seinem Betrieb. Mäuseschäden und Fahrspuren von Maschinen verstärken das Problem zusätzlich. Die Folge seien schlechte Futterqualität und entsprechend auch weniger Ertrag.

Nimmt die Borstenhirse im Heu überhand, entstünden bei den Rindern Verletzungen am Mund sowie Eiterabszesse im Rachenbereich und unter der Zunge, erzählt Windlin. Und das Perfide: Wird das gefürchtete Unkraut vom Vieh gefressen, gelangen deren Samen ungehindert in den Mist oder in die Gülle und damit wieder aufs Land.

Im vierjährigen Testversuch wurden nun Strategien entwickelt, aber auch bestehende Bekämpfungsmethoden verbessert, die den Futterbau von der Borstenhirse entlasten sollen. Unterstützt wurde die Arbeit von der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Zürich-Reckenholz, der Firma Samen Steffen AG und dem Milchproduzentenverein Obwalden. Dabei wurde eine Wiese in Hanglage in 24 einzelne Quadrate unterteilt. Aufgabe der Bauernfamilie Rolf und Sandra Windlin war es nun, die einzelnen Felder nach Angaben der Forscher zu bewirtschaften. Jedes dieser Quadrate erhielt eine andere Pflege.

Schnitthöhen anpassen

Da die Borstenhirse vor allem bei grosser Hitze gedeiht, gilt es primär, die Bodentemperatur möglichst tief zu halten. Dies wird vor allem durch längere Schnittintervalle und idealere Schnitthöhen bei den Pflanzen erreicht. Auch ein standortgerechter Pflanzenbestand trägt dazu bei. Wie dies im Detail geschieht, können interessierte Landwirte am kommenden Donnerstag gleich selbst erfahren. Fachleute der Forschungsanstalt Reckenholz und der Firma Samen Steffen AG zeigen Mittel und Wege auf, wie man den Futterbau strategisch verbessern kann. Dabei wird auch darüber informiert, welche Maschinen und Geräte sich dazu am besten eignen.

Für Windlin ist klar: «Wer Viehzucht auf hohem Niveau betreiben will, muss den Futterbau auf ebenso hohem Niveau betreiben.» Auch Martin Amgarten vom Amt für Landwirtschaft und Umwelt meint: «Man muss dem Futterbau die notwendige Beachtung schenken.» Und worin sich beide einig sind: Die Bekämpfung mit Chemie ist schon seit Jahren kein Thema mehr.

Hinweis: Die Flurbegehung mit Fachleuten findet am kommenden Donnerstag von 9.30 bis 12 Uhr auf dem Hof Sackliweg 2 in Sarnen statt.