Kerns
100 Jahre, fit und zufrieden: Happy Birthday, Frau Missland!

Obwohl es Hildegard Missland nicht immer leicht hatte, blickt die Hundertjährige zufrieden auf ihr Leben zurück. Am Sonntag feiert sie ihren Geburtstag in der Betagtensiedlung Huwel.

Marion Wannemacher
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Lässt sich nicht anmerken, dass sie sich auf Bildern nicht wohlfühlt: Hildegard Missland-Hofstetter in ihrer Wohnung in der Betagtensiedlung Huwel in Kerns.

Lässt sich nicht anmerken, dass sie sich auf Bildern nicht wohlfühlt: Hildegard Missland-Hofstetter in ihrer Wohnung in der Betagtensiedlung Huwel in Kerns.

Bild: Marion Wannemacher (Kerns, 23. November 2022)

Nein, das mit dem Fotografieren sei absolut nicht ihre Sache, versichert Hildegard Missland. Sie fühle sich auf Bildern nicht so wohl. Mit dem Ergebnis, das sie auf dem Display betrachtet, ist sie aber einverstanden: «So sieht eine zufriedene Frau aus», sagt sie.

Ihren Humor hat sie sich bewahrt

Mit ihren freundlichen blauen Augen und vollen grauen Haaren wirkt Hildegard Missland ganz und gar nicht wie eine Hundertjährige. Selbstverständlich ist auch nicht, wie fit sie noch ist. «Ich kann noch laufen und auch noch denken», sagt sie mit Augenzwinkern.

Wenn sie von ihrem Leben erzählt, wird vor allem deutlich, dass sie dafür dankbar ist. Hildegard Missland-Hofstetter wuchs in Hochdorf als eines von sechs Kindern auf. «Wir waren mehr oder weniger gut erzogen», witzelt sie und lässt offen, zu welcher Kategorie sie sich rechnet. Der Vater war Automechaniker und betrieb eine Garage und einen Taxi-Dienst. Das Autofahren muss Hildegard Missland wohl gereizt haben, mit 18 wagte sie einen Versuch und setzte das Auto prompt an eine Mauer.

Trotzdem durfte sie mit 22 den Fahrausweis machen und half später dem Bruder im Taxigeschäft als Fahrerin, nachdem dieser den Betrieb übernommen hatte. «Das hat mir viel Freude gemacht», erzählt sie. Obwohl sie sich als «rechte Seetalerin» bezeichnet, zog es sie nach der Schulzeit in die Ferne. Sie lebte in Familien in Lausanne und Ponte Tresa, um Französisch und Italienisch zu lernen. Vor allem die Zeit bei der herzlichen Familie im Tessin genoss sie sehr. Der Familienvater war Gemeindeschreiber, sie durfte im Gemeindebüro helfen und Lebensmittelkarten verteilen. So lernte sie schnell die ganze Gemeinde kennen.

Einige Zeit half sie auch in einer Familie in Baldegg aus, die ihr fünftes Kind erwartete. Ausserdem arbeitete sie im Büro der Firma Hug in Malters. In ihrer Familie ging ein junger Mann aus Winterthur ein und aus, der in Hochdorf seinen Militärdienst leistete, Paul Missland, ihr späterer Ehemann. Doch so schnell wollte Hildegard ihre Freiheit nicht aufgeben, mit 29 sagte sie dann endlich «Ja».

Patrick wurde in eine Familie voller Liebe geboren

Berufsbedingt zügelte sie mit dem Ingenieur der Elektrotechnik nach Baden und ins Engadin. Kinder blieben zunächst aus. Bis sich Patrick anmeldete, der in eine Familie voller Liebe geboren wurde. Er kam mit schweren körperlichen und geistigen Einschränkungen auf die Welt. Wenn die Jubilarin von ihm erzählt, strahlen ihre Augen: «Er ist ein fröhlicher und lieber Bub, der immer will, dass es allen gut geht.» Heute ist Patrick Missland 62 Jahre alt und wohnt in der Stiftung Rütimattli.

Eine weitere Berufstätigkeit kam für Hildegard Missland als Mutter nicht mehr in Frage. «Ich habe nun die Arbeit mit meinem Sohn gehabt und es war eine schöne Aufgabe», sagt sie. Paul Missland leitete 25 Jahre lang das Elektrizitätswerk Obwalden. In Kerns im Heimatweg fand die kleine Familie im Eigenheim ihre Heimat. Mit 84 Jahren erkrankte er und verstarb bald darauf. «Noch drei Wochen vor seinem Tod sagte Paul zu mir: ‹Wir haben schwere Zeiten gehabt, aber es waren auch schöne Zeiten mit Patrick.›»

Heute lebt Hildegard Missland in einer kleinen Wohnung im Huwel. Sehr viele ihrer Verwandten und Freunde leben nicht mehr. So ist das, wenn man 100 Jahre wird. In ihrer Freizeit liest sie Bücher und die «Obwaldner Zeitung» und liebt, wie Patrick auch, klassische Musik. Zu ihren Lieblingskomponisten gehören Beethoven und Haydn. Früher hat sie Handörgeli gespielt, der Sohn begleitete sie mit Tschinellen (Handzimbeln), einem Rhythmus-Instrument.

Morgen steht die offizielle Feier an mit Besuch einer Delegation von Regierungs- und Einwohnergemeinderat. Ein bisschen mulmig ist dem «Geburtstagskind» schon. Auch das wird sie bewältigen. Ihr Lebensmotto sei immer irgendwie gewesen: «Bei keiner Schwierigkeit stehen bleiben, sondern eine Lösung finden», erzählt sie. Und setzt hinzu:

«Ich hab kein Leben gehabt, das ich nicht haben wollte.»