Obwalden
Umweltverbände wollen mehr Tempo im Energie- und Klimakonzept

Dass der Kanton sich auf dem Weg zu einer klimaschonenden Gesellschaft ein neues Energie- und Klimakonzept geben will, wird allseits begrüsst. In der Vernehmlassung ist ein ganzer Haufen dezidierter Stellungnahmen, Anregungen und Wünsche eingegangen.

Philipp Unterschütz
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Ohne Reduktion des Individualverkehrs können Klimaziele nicht erreicht werden, meint der WWF Zentralschweiz. Im Bild die Brünigstrasse in Alpnach.

Ohne Reduktion des Individualverkehrs können Klimaziele nicht erreicht werden, meint der WWF Zentralschweiz. Im Bild die Brünigstrasse in Alpnach.

Bild: Obwaldner Zeitung

Der Kanton Obwalden betreibt seit über einem Jahrzehnt eine aktive Energiepolitik, mit welcher er den Energiebedarf und die Treibhausgasemissionen im Kanton senkt. Das letzte Massnahmenprogramm, das Energiekonzept 2009, hatte einen Planungshorizont bis Ende 2020.

Nun schickte der Kanton vom 25. Mai bis 15. Juli ein neues Energie- und Klimakonzept 2035 in die Vernehmlassung. Damit will Obwalden angesichts der drohenden Klimaveränderungen den Wandel von der reinen Energiepolitik hin zu einer Energie- und Klimapolitik schaffen. Zwei der wichtigsten Ziele: Die Stromproduktion in Obwalden soll aus neuer erneuerbarer Energie bis ins Jahr 2035 um mindestens den Faktor 25 gesteigert werden. Und die Treibhausgasemissionen im Kantonsgebiet sollen 2035 um mindestens Netto 55 Prozent gesenkt werden.

Wir haben bei Gemeinden, Parteien, Verbänden und beim Energieunternehmen EWO nachgefragt, wie das Konzept bei ihnen ankommt. Es würde den Rahmen sprengen, alles zu publizieren, was sie uns in kurzer Form zurückgemeldet haben. In einem ersten Teil präsentieren wir die Meinung der Umweltverbände.

Reduktion des motorisierten Individualverkehrs

Der WWF Zentralschweiz schreibt, das Konzept gehe in die richtige Richtung, sei aber an ein paar Stellen verbesserungsfähig. Der Klimawandel führe zunehmend Notsituationen herbei und man müsse entsprechend bereit sein, auch Opfer zu bringen, um die Emissionen schnellstmöglich zu reduzieren. «Eine raschere Reduktion wäre möglich, es ist eine Frage des Willens.» Die Vision, gemäss welcher der Kanton Obwalden deutlich mehr erneuerbare Energie produzieren soll, als er selbst benötigt, sei begrüssenswert, ebenso wie das Ziel einer Reduktion der Treibhausgasemissionen aus der Verwaltungstätigkeit auf Netto-Null bis 2040.

Allerdings fehlt dem WWF der Aspekt zur Genügsamkeit und Reduktion des Energiekonsums wie Lenkungsmassnahmen oder zur Art, wie der Kanton Staatsgelder einsetzt. Also beispielsweise weniger Ausgaben für die Aufrechterhaltung von Infrastruktur, welche mit hohen Emissionen verbunden ist. Zudem könne der Ersatz von fossilen mit erneuerbaren Heizungen schneller vorangehen. Den Hauseigentümern könnte mittels Darlehen oder Sicherheiten bei der Investition geholfen werden.

Und schliesslich, betont der WWF, werde es ohne Reduktion des motorisierten Individualverkehrs schwierig, Klimaziele zu erreichen. Der Verband setzt nämlich ein Fragezeichen hinter Elektrofahrzeuge. «Wir brauchen den erneuerbaren Strom in der Zukunft vielleicht für andere, wichtigere Anwendungen, man spricht von der Möglichkeit des Strommangels. Allein mit dem Ausbau von Fahrradwegen wird man auf dem Gebiet der Verlagerung und Vermeidung des Verkehrs nicht genügend Fortschritte machen.»

Klimawandel und Biodiversität sind untrennbar verbunden

Pro Natura Unterwalden ist ebenfalls mit der Stossrichtung des Konzepts einverstanden und unterstützt die Stellungnahme des WWF, fordert aber, dass es mit einem zusätzlichen, separaten Handlungsfeld «Biodiversität» ergänzt wird. Im gesamten Dokument fehle die Feststellung, dass es sich beim Klimawandel und beim Biodiversitätsverlust um zwei untrennbare Krisen handelt. «Sie sind die beiden grössten und dringendsten Herausforderungen unserer Zeit, beeinflussen sich gegenseitig und verstärken sich gar. Der Klimawandel ist einer der stärksten Treiber des Artensterbens. Gleichzeitig sind Biodiversität und Ökosysteme wichtige Regulatoren des Klimas. Intakte Ökosysteme wirken als Puffer gegen Wetterextreme und haben oft eine Schutzfunktion», schreibt Pro Natura Unterwalden.

Vermisst wird auch, dass das Thema Moore nicht als Massnahme aufgeführt wird. Mit der Renaturierung und dem Schutz der bestehenden Moore könnte der Kanton Obwalden eine bedeutende Kohlenstoffsenke für den Klimaschutz nutzen und fördern.

Interessant ist auch die Aussage zur Steigerung der lokalen Produktion von erneuerbarer Energie: «Inwiefern sich damit verbundene Zielkonflikte zwischen erneuerbarer Energieproduktion und Natur- und Landschaftsschutz entschärfen lassen, wird sich insbesondere bezüglich Windkraft im konkreten Einzelfall zeigen.»

In weiteren Beiträgen werden wir die Meinungen der Gemeinden, Parteien, des EWO, des Bauernverbandes und der Handelskammer aufzeigen.