Obwalden
Wie Sarner Jugendliche vor 50 Jahren im Fernsehen das Spiel verloren – und Sympathien gewannen

1972 nahmen 24 Jugendliche aus Obwalden am «Spiel ohne Grenzen» teil. Trotz Niederlage überzeugten sie das Publikum mit Fairness und Fröhlichkeit.

Markus Villiger
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Das «Spiel ohne Grenzen» war eine Fernsehsendung, die in den 1960er- und 1970er-Jahren neben dem Grand Prix Eurovision de la Chanson die einzige wiederkehrende, sprachübergreifende Unterhaltungssendung war. Jedes teilnehmende Land veranstaltete pro Jahr einen Wettbewerb, welcher dann in zahlreichen Ländern direkt übertragen wurde. Die Austragungen fanden in den Sommermonaten im Freien statt. Am Ende der Saison gab es ein Finale der besten Mannschaften. In der Schweiz wurde «Spiel ohne Grenzen» bis Ende 1982 jeweils von allen drei TV-Landesketten direkt übertragen. Die Sendungen wurden von Jan Hiermeyer kommentiert.

Heute vor 50 Jahren fieberten auch die Obwaldner am Bildschirm mit. Denn 24 Jugendliche, 14 Burschen und 10 Mädchen rekrutierten sich aus sieben Sportvereinen von Sarnen, um an der Fernsehsendung teilzunehmen. Auf dem Dorfplatz in Sarnen herrschte an jenem Sonntagmorgen im Jahr 1972 ein fröhliches Treiben. Die in roten Chuteli, weissen Hosen und mit «Holzbedä» eingekleidete Sarner Mannschaft wurde vom Schweizer Fernsehen in Sarnen abgeholt und im Bus nach Kloten geführt.

Einladung zu Gesangstournee in Kanada

«Im Flughafen wurde tüchtig gejodelt, ‹gebödelet› und fahnengeschwungen. Dies muss einen riesigen Eindruck auf eine Dame gemacht haben, denn wir erhielten eine ernsthafte Einladung nach Kanada zu einer Gesangstournee. Wir getrauten uns erst im Flughafenbus, so richtig zu lachen. Bei einigen Flugtäuflingen hat das Herz ‹gepöperlet›. Wir alle durften einen schönen, ruhigen Flug erleben», erinnert sich der damalige Teamleiter Heiri Baumeler. Von Mailand ging es dann mit dem Flugzeug weiter nach Triest. Dort wurden die Sarner vom italienischen Fernsehen empfangen. Eine Busfahrt von rund 45 Minuten führte das Team nach Udine.

Das Team von 1972 (stehend von links): Heiri Baumeler, Sepp Küchler, Ruedi Ruckli, Peter Rohrer, Susi Omlin-Fanger, Edwin Suter, Ruth Hinter-Beck, Bärti von Ah, Marianne Wallimann, Beat Grendelmeier, Jost Kiser, Evelyn Arm-Wagner, Walter Röthlin, Romy Huwyler, Sepp Ziegler, Isidor Krummenacher, Hampi Dillier und Kaspi Niederberger. Sitzend von links: Beatrice Rohrer-Odermatt, Kläri Häfliger-Ulrich, Elsbeth von Arx-Mattli, Silvia Amstalden-Vlach, Doris Imfeld-Rohrer und Hans Odermatt.

Das Team von 1972 (stehend von links): Heiri Baumeler, Sepp Küchler, Ruedi Ruckli, Peter Rohrer, Susi Omlin-Fanger, Edwin Suter, Ruth Hinter-Beck, Bärti von Ah, Marianne Wallimann, Beat Grendelmeier, Jost Kiser, Evelyn Arm-Wagner, Walter Röthlin, Romy Huwyler, Sepp Ziegler, Isidor Krummenacher, Hampi Dillier und Kaspi Niederberger. Sitzend von links: Beatrice Rohrer-Odermatt, Kläri Häfliger-Ulrich, Elsbeth von Arx-Mattli, Silvia Amstalden-Vlach, Doris Imfeld-Rohrer und Hans Odermatt.

Bild: PD

Vor 15'000 begeisterten Zuschauern, die im italienischen Passariano die vierte Ausgabe des «Spiels ohne Grenzen» verfolgten, kam die niederländische Vertretung zu einem klaren 44-Punktesieg, vor den Italienern (38), den Deutschen (36), den Belgiern (31), den Franzosen (30), den Briten (28) und den Schweizern (23).

Sarner belegen den letzten Platz

Baumeler: «Das Sarner-Team erlebte einen rabenschwarzen Abend. Bereits im ersten Spiel, als die Schweizer den Joker spielten, lief alles schief: Das Ballonspiel verunglückte und aus den erhofften zwölf Punkten wurden nur deren zwei. Wesentlich besser lief das zweite Spiel mit dem Kreisel und den Buchstaben: Dort belegte Sarnen den ersten Platz und konnte sich sechs Punkte gutschreiben lassen».

Leider konnten die Obwaldner in den restlichen Spielen nicht mehr an diese Leistung anknüpfen. Der Brückenbau brachte drei Zähler, das Clownrennen mit den Zuckerstängeln ebenfalls drei, das «Konfitürenrennen» nur einen Punkt, das Kegeln und das Schlussspiel je vier Punkte.

Sympathie und neue Freunde

Das Fazit von Heiri Baumeler: «Mit 21 Punkten endete das Spiel ohne Grenzen 1972 in Italien für die Sarner mit einem letzten Platz. Mit unserer fairen Spielweise und dem fröhlichen Auftreten haben wir über die Grenzen hinaus in ganz Europa Sympathie und neue Freunde gewonnen. Nicht der Sieg, sondern die Fröhlichkeit hat für den Obwaldner Kantonshauptort geworben und gewonnen.»

Die Fernsehverantwortlichen waren beeindruckt, dass ein Letztplatzierter fröhlich sein kann und immer grosse Fairness in den Spielen bewies. Die vor 50 Jahren entstandenen Freundschaften leben bei verschiedenen Besuchen, beispielsweise in Holland, immer wieder neu auf. Im Jahr 1973 besuchten die Holländer Sarnen und ein Jahr später fand ein geselliges Treffen der Sarner in Holland statt. In kleineren Gruppen waren die Holländer schon verschiedentlich in Sarnen und hatten so Gelegenheit, das unterhaltsame «Spiel ohne Grenzen» in den Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.