Obwalden/Nidwalden
Von verführerischen Hexen und liederlichen Mönchen: Ein Sagenabend, um abzutauchen

Im Benediktiner-Kollegium Sarnen führte Pater Thomas Blättler vom Kloster Engelberg durch die Engelberger und Nidwaldner Sagenwelt. Damit erfolgte der Auftakt für die neue Referatsreihe im «Professorenheim».

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Sagen geben einen Einblick in eine Welt, die geografisch unserer Umgebung entspricht und die doch nur eine Bühne bildet, um in eine andere Sphäre zu tauchen. Dies war auch am Sagenabend spürbar, der am vergangenen Donnerstag im Benediktiner-Kollegium Sarnen stattfand. Der Engelberger Benediktinermönch Pater Thomas Blättler führte in die Engelberger und Nidwaldner Sagenwelt ein. Zugleich stellte der Anlass eine Hommage an die kürzlich verstorbene Schriftstellerin Ida Knobel-Gabriel (1945–2022) aus Wolfenschiessen dar, die über Jahrzehnte mit ihren Mundart-Gedichten bekannt wurde.

Pater Thomas Blättler führt durch die Engelberger und Nidwaldner Sagenwelt.

Pater Thomas Blättler führt durch die Engelberger und Nidwaldner Sagenwelt.

Bild: PD

Vom Kampf des Struthan Winkelried mit dem Drachen im Ennetmooser Ried ging es zunächst Richtung Kernwald, um die Frage zu stellen, auf welcher Seite des Waldes wohl mehr Räuber und Vaganten leben. Auffallend war die Häufung von Hexensagen, die sich durch Nidwalden von der Dallenwiler «Häxeribi» über «Dr iiklemmtnig Schtäi» ob Wolfenschiessen bis zur «Häx vo Rugischbalm» hindurchziehen. Kann ihr düsteres Wirken in der Sage meist durch Glockenläuten oder besonnenes Handeln aufgehalten werden, ist dies bei den Verführungskünsten oft schwieriger.

Weit in die Geschichte zurück ging es mit der Legende um die Gründung des Klosters Engelberg. Von der Suche nach dem richtigen Standort im Hochtal bis zum Engelsgesang wurde ein weiter Bogen gespannt. Doch auch vom liederlichen Abt war die Rede, der die Alp Trübsee beim Jassen an die Nidwaldner verspielte, und von «Grenzkorrekturen» durch übergriffige Urner. Mit einigen Lachern wurde schliesslich der Abend abgeschlossen, indem Pater Thomas die Geschichte von Konrad Baumgarten aus Altzellen, der den Landvogt von Wolfenschiessen beim Baden mit der Axt erschlagen habe, aus drei verschiedenen Perspektiven erzählte. Ungeahnte Aktualität erfuhr dabei das Fazit in Ida Knobels Gedicht: «Tiend Eych s Läbe nid verpfusche, und schtatt baade gscheyder tusche!»

Vortragsreihe im Benediktiner-Kollegium

Der Sagenabend war zugleich auch der Auftakt für die neue Referatsreihe des Benediktiner-Kollegiums. Im Rahmen des neuen Konzepts soll das Professorenheim mit Anlässen verstärkt der Öffentlichkeit zugänglich sein und einen Beitrag zum Obwaldner Kulturleben bieten. Dies auch mit Blick auf die Öffnung des benediktinischen Mönchslebens und seiner Spiritualität gegen aussen. Die Durchführung der Anlässe im frisch restaurierten Kapitelsaal der Mönche ermöglicht nicht nur einen Einblick ins «Herz» der Mönche, sondern erinnert an die lange Tradition der benediktinischen Debatten- und Diskussionskultur, die wesentliche Impulse zur Entwicklung der Demokratie gab. (pd)

Hinweis: Die nächsten Anlässe können unter www.benediktiner-kollegium.ch abgerufen werden.