Rettungsstation Sarneraatal
Fünf von 14 Bergunfällen sind tödlich ausgegangen

Entgegen dem schweizerischen Trend blieben die Einsätze der Obwaldner Bergretter grundsätzlich stabil.

Richard Greuter
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Einsatzkräfte der Rettungsstation retten einen Variantenskifahrer im Frutt-Gebiet.

Einsatzkräfte der Rettungsstation retten einen Variantenskifahrer im Frutt-Gebiet.

Bild: PD (29. Januar 2020)

Zweimal wurde die Rettungsstation Sarneraatal in diesem Jahr bislang gerufen. Im vergangenen Jahr kamen die Retter 14-mal zum Einsatz. «Dies entspricht den üblichen Jahren», erklärte Präsident Marco Rohrer im Rahmen der diesjährigen, schriftlich durchgeführten Generalversammlung der Rettungsstation Sarneraatal. Das mag erstaunen: Während die Einsätze bei der Alpinen Rettung Schweiz von 800 in den Jahren 2018 und 2019 im vergangenen Jahr sprunghaft auf 999 angestiegen sind, blieben sie in Obwalden stabil.

Überraschenderweise benötigten die Obwaldner Retter für ihre Einsätze sogar weniger Mannstunden. «Vielleicht haben wir Glück gehabt», meinte Rettungschef Martin Küchler zu den Einätzen. Dass weniger Mannstunden notwendig waren ist laut Küchler der Wettersituation geschuldet, die vermehrte Helikopterflüge ermöglichte. Dies war an der 39. Generalversammlung, die pandemiebedingt auf dem schriftlichen Weg stattfand, zu erfahren.

Mehr Abstürze mit tödlichem Ausgang

«Corona war auch in unserer Rettungsstation spürbar», schreibt Martin Küchler in seinem Jahresbericht. Dabei stellte er fest, dass ausserordentlich viele Personen in den Bergen unterwegs waren. Allerdings, so Küchler weiter, haben Vorfälle mit tödlichem Ausgang zugenommen. Insgesamt fünf Ereignisse verliefen für die Verunfallten tödlich. «Für nur 14 Einsätze ist das viel», meinte Küchler. Dramatisch verlief ein Unfall im vergangenen August am Brünighaupt im Fruttgebiet. «Einer unserer Retter musste machtlos mitansehen, wie eine Berggängerin vor seinen Augen in die Tiefe stürzte», berichtete der Rettungschef.

Rettungschef Martin Küchler tritt ab.

Rettungschef Martin Küchler tritt ab.

Bild: PD

Für Martin Küchler, der 30 Jahre im Rettungswesen tätig war, ist dies sein letzter Bericht. Nach 13 Jahren im Vorstand, davon elf Jahre als Rettungschef, gab Küchler sein Amt ab und wurde am vergangenen Freitag bei der Alpinen Rettung Zentralschweiz zum Ausbildungsverantwortlichen gewählt. «Martin war nicht nur ein ‹Chrampfer›, viele seiner Projekte und Ideen wurden über die Kantonsgrenzen und sogar schweizweit umgesetzt», sagte Präsident Marco Rohrer, der die Arbeit von Küchler verdankte. Als neuen Rettungschef hat die Versammlung anschliessend Samuel Ziegler aus St. Niklausen gewählt.

Für den scheidenden Rettungschef bleiben Erinnerungen an zahlreiche Rettungsübungen und viele Einsätze. Einer der prägendsten fand vor vier Jahren statt, als im Glaubenberg-Gebiet ein Pilzsammler vermisst wurde. Mehr als 40 Suchende waren während fünf Tagen unterwegs und leisteten 400 Personenstunden. «Wir fanden keine Spur zu diesem Mann. Wir fragten uns: Haben wir unsere Aufgabe nicht richtig gemacht?», sagte Martin Küchler rückblickend. Zwei Jahre später fand die Polizei bei einem anderen Einsatz die sterblichen Überreste des Gesuchten.

Weiterbildungskurse mussten verschoben werden

Die Pandemie schränkte die Aus- und Weiterbildung der Bergretter ein. Zwei Abendkurse im Mai und einige Spezialistenkurse wurden gestrichen, vermerkte Niklaus Kretz, Technischer Leiter, in seinem Bericht. Der Sommerkurs wurde verschoben und im August nachgeholt. Die geplante Rettungsübung mit den Sportbahnen Melchsee-Frutt wurde kurzfristig abgesagt. «Der Plan war, die ganze Gondel beidseitig zu bergen», berichtete Kretz. Zwei Abendkurse und der Winterkurs wurden zuerst verschoben, dann abgesagt. Trotzdem ist Niklaus Kretz zuversichtlich: «Die fehlenden Kurse haben die Einsatzfähigkeit in keiner Weise beeinträchtigt.»

Auch die Digitalisierung war an der Generalversammlung Thema. Sie macht auch vor der Rettungsstation Sarneraatal nicht halt. Um die Kommunikation zu verbessern, wurden sämtliche Retter und der gesamte Vorstand mit der kostenpflichtigen Kurznachrichten-App Threema ausgerüstet. Durch Unbekannte wurde ausserdem die Website gehackt, und Martin Küchler musste einen vollständig neuen Internetauftritt erarbeiten.