Rückblick/Ausblick
Christiane Leister: «Die wissenschaftliche Seite interessiert mich sehr»

Die Verwaltungsratspräsidentin der Leister-Gruppe will kommendes Jahr erneut nach Grönland aufbrechen. Ihre Firmengruppe war bisher von der Pandemie unterschiedlich betroffen.

Martin Uebelhart
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Eines der eindrücklichsten Erlebnisse sei es gewesen, als sie zusammen mit weiteren Expeditionsteilnehmenden in Grönland eine neue Insel entdeckt habe, sagt Christiane Leister. Die Verwaltungsratspräsidentin der Leister-Gruppe war im Juli 2021 im Norden der grössten Insel der Welt unterwegs. Eine Herausforderung sei die Covid-Situation gewesen, erinnert sie sich: «Wir hatten glücklicherweise ein Fenster, in dem wir nach Grönland einreisen konnten, wenn auch mit Tests und Quarantäne.» Neben der Pandemie habe sich auch die Logistik zuweilen schwierig präsentiert. Einmal habe ein Flugzeug nicht zur Verfügung gestanden, worauf die Gruppe andere Routen habe wählen müssen und schliesslich von einem Standort in Ostgrönland aus die gewünschten Destinationen erreichen konnte. Zum Glück habe das Wetter immer mitgespielt: «Es ist durchaus möglich, dass man ein paar Tage in einem Schneesturm feststeckt. Dann kann man eine Expedition nicht wie geplant durchführen.»

Christiane Leister, Verwaltungsratspräsidentin der Leister-Gruppe.

Christiane Leister, Verwaltungsratspräsidentin der Leister-Gruppe.

Bild: PD

Nun ist Christiane Leister schon ganz gespannt auf die Ergebnisse der Forschungsprojekte. «Die Gesteinsproben mussten erst von Grönland in die Labore kommen», sagt Christiane Leister. Jetzt würden sie untersucht, genauso wie Bakterienproben, an denen aufwendige DNA-Analysen vorgenommen würden. Bis im Februar, so hofft sie, sollten erste Ergebnisse vorliegen. «Im nächsten Jahr möchten wir diese zusammen mit unseren Expeditionserfahrungen in einem Buch veröffentlichen», hält sie fest.

Die Neugier treibt sie an

Weiter habe man entschieden, im kommenden Sommer noch einmal eine Expedition in die Region zu unternehmen. Der Norden Grönlands sei relativ unerforscht. Darum wollten Biologinnen und Biologen, aber auch Geowissenschafterinnen und Geowissenschafter das Gebiet noch einmal systematisch untersuchen. «Selbstverständlich», antwortet Christiane Leister auf die Frage, ob sie wieder mit von der Partie sein werde. Neugier treibe sie an, sagt sie. «Auch die wissenschaftliche Seite interessiert mich sehr. Aufgrund meines Engagements im ETH-Rat bin ich der Wissenschaft sehr verbunden.»

In Grönland war Christiane Leister schon wiederholt. «Die Insel ist ein faszinierender Flecken auf unserer Erde», hält sie fest. Man könne gut sehen, was in der Arktis passiert: «Der Klimawandel manifestiert sich in Grönland rund zweieinhalb bis dreimal so schnell. Wir haben 2018 grosse Gletscher gesehen. Jetzt haben wir sie wieder besucht und konnten mit blossem Auge sehen, wie das Eis zurückgeht.» Faszinierend sei gleichwohl auch zu sehen, wie die Natur sich in jenen Gebieten entwickle, wo das Eis verschwunden sei.

Christiane Leister vor einer Wand mit den weltweiten Aktivitäten der Firma.

Christiane Leister vor einer Wand mit den weltweiten Aktivitäten der Firma.

Bild: PD

Die Expedition mitfinanziert hat die Leister Stiftung. Die Institution engagiert sich laut ihrem Stiftungszweck für Bildung und Wissenschaft sowie Kunst und Kultur. Besonders verbunden sei man den Eidgenössischen Technischen Hochschulen und Projekten zur Förderung von Mint-Berufen, sagt Christiane Leister. «Weil wir ein Obwaldner Unternehmen sind, unterstützen wir gerne auch Kultur in Obwalden.» Sie erwähnt etwa das Volkskulturfest Obwald, «ErstKlassik» am Sarnersee oder Jodler- und Trachtengruppen.

«Wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt»

Bei den Unternehmen der Leister-Gruppe habe sich die Coronakrise unterschiedlich ausgewirkt, sagt Christiane Leister. «Der Leister Technologies AG sind 2020 teilweise Aufträge weggebrochen. Wie bei vielen Unternehmen während des Lockdowns.» Das Unternehmen stellt laut Website unter anderem Kunststoff-Schweissgeräte, industrielle Heissluftgebläse und Lasersysteme her. Inzwischen hätten sich die Märkte wieder erholt und die Geschäfte der Leister-Gruppe sind erfreulich auf Kurs, hält sie fest. Die grösste Herausforderung sei derzeit, die für die Produktion benötigten Komponenten aufzutreiben: «Unsere Einkäufer arbeiten im Taskforce-Modus.» Anders sehe es bei der Axetris AG aus. Die Pandemie habe bei Axetris, die Gassensoren und mikrooptische Komponenten herstellt, zu erhöhter Nachfrage geführt und das Wachstum beschleunigt. «Wir sind dabei, am Standort Kägiswil die Produktionskapazitäten zu erweitern», so Christiane Leister.

Nach wie vor bewege man sich aber in unsicheren Gewässern: «Wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt.» Die Leister-Gruppe treibe aber in allen Bereichen Aktivitäten für die Fortsetzung des Wachstums voran. «Denn die Welt hört nicht auf, sich zu drehen.»