Sarnen
Ein neues Leben im Kloster für Frater Paul

Der 66-jährige Paul Richard Schneider studierte Theologie und trat ins Benediktinerkloster Sarnen ein. Erst kürzlich schloss er das Doktoratsstudium im Kirchenrecht an der Universität Luzern ab.

Markus Villiger
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Nach vielen Jahren in der Privatwirtschaft entschied Paul Richard Schneider sich vor sieben Jahren Theologie zu studieren. Nach dem Abschluss des Theologiestudiums an der Universität Luzern trat er im März 2018 ins Kloster Muri-Gries ein und legte 2020 das Ordensgelübde ab. Von jetzt an ist sein Name Frater Paul. Zeitgleich doktorierte er im Kirchenrecht bei Adrian Loretan. Auf die Frage, warum er ins Kloster eingetreten ist, sagt er: «Die konkreten Beweggründe lagen sicherlich in meinem grundsätzlichen wissenschaftlichen Interesse an theologischen, kirchengeschichtlichen und kirchenrechtlichen Fragen, aber auch am Umstand des frühen Krebstodes meiner Ehefrau.»

Frater Paul Richard Schneider hat sich nach Jahrzehnten in der Privatwirtschaft für ein Leben im Kloster entschieden.

Frater Paul Richard Schneider hat sich nach Jahrzehnten in der Privatwirtschaft für ein Leben im Kloster entschieden.

Bild: PD

Paul Richard Schneider ist in Sarnen aufgewachsen und besuchte von 1967 bis 1974 die Kantonsschule Sarnen. Nach dem Abschluss der Matura absolvierte er von 1974 bis 1979 das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich. Anschliessend war er während vieler Jahre bei PAX-Versicherungen tätig, unter anderem als Leiter Departement Anlagen, Vorsitzender der Geschäftsleitung und als Verwaltungsratspräsident.

Ökonom des gesamten Klosters

Als Ökonom des ganzen Klosters ist Frater Paul jeden Monat auch einige Tage in Gries (Südtirol). Die laufenden Tagesgeschäfte in Gries besorgt eine tüchtige Geschäftsleiterin zusammen mit den Leitern der einzelnen Betriebe. Daneben leitet Frater Paul das Studentenheim St.Benedikt für über 70 Absolventen der Universität Bozen. Er bearbeitet kirchenrechtliche Fragen des Klosters sowie der benediktinischen Kongregation und Nonnenföderation der Schweiz.

Der Personalbestand der Abtei Muri-Gries ist in den letzten Jahrzehnten stark gesunken. Allein in den vergangenen fünf Jahren verstarben sechs Mitbrüder. Zum Teilkonvent Sarnen gehören noch vier Mitbrüder, von denen sich aber zwei aufgrund ihrer Altersbeschwerden in einem Pflegeheim befinden.

Die Abtei Muri-Gries wird im Jahr 2027 ihr tausendjähriges Jubiläum feiern. Dazu Frater Paul: «In ihrer Geschichte hat sie viele Schicksalsschläge wie Brände, Kriege, Besetzungen, Plünderungen und so weiter, aber auch viele gute Zeiten erlebt. Der Bestand an Mönchen war während Jahrhunderten kaum höher als heute. Nur in den vergangenen drei Jahrhunderten lag die Zahl der Mönche konstant höher und erreichte um den Zweiten Weltkrieg seinen Höchstbestand mit 107 Mönchen.»

Lebt das Kloster weiter?

Frater Paul betont: «Klöster haben dann eine Zukunft, wenn sie sich nicht an überholten Ordensvorstellungen festklammern. Vielmehr geht es darum, unter Beibehaltung der grundsätzlichen benediktinischen Ordensideale Kloster für Menschen des 21. Jahrhunderts zu sein. Klöster und Menschen entwickeln sich weiter und müssen sich immer wieder aufeinander abstimmen. Zu einem befriedigenden und motivierenden Ordensleben braucht es für jedes Mitglied eine sinnerfüllende Zusammenführung von Berufung und Beruf. Viele Interessenten können für das Klosterleben bereits auf Lebenserfahrung im Beruf und anderen Bereichen zurückblicken. Diesen gesellschaftlichen Realitäten müssen wir Rechnung tragen, indem wir offen sind für Interessenten jeglichen Alters, vielerlei Berufe und unterschiedliche Bindungswilligkeit. Entscheidend müssen die Ernsthaftigkeit des eigenen religiösen Lebens und die Gemeinschaftsfähigkeit einer Person sein.»

Herausfordernde Aufgaben

Frater Paul schildert seinen Tagesablauf wie folgt: «Die Tagesabläufe sind durch das viermalige Stundengebet, die Messe und die gemeinsamen Essenszeiten strukturiert, wobei sich die Zeiten von Kloster zu Kloster unterscheiden. In Sarnen beginnen wir den Tag mit der Laudes (Lobgesänge) in der Benediktuskapelle. Ansonsten ist jeder frei, im Rahmen der zu erledigenden Aufgaben seinen Tagesablauf selber zu gestalten.»

Er hat im Kloster herausfordernde und interessante Aufgaben vorgefunden. «Ich bin motiviert, an dem anstehenden Anpassungsprozess an die Welt von heute mitzuwirken und mitzugestalten.»