Sarnen
Hommage an unvergesslichen Obwaldner Dichter: So startet das Herbstprogramm der IG Buch

Der Kernser Pfarrer und Dichter Karl Imfeld starb vor einem Jahr. Nun erweist ihm die IG Buch Obwalden mit Wort und Musik die Ehre.

Romano Cuonz
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Der Obwaldner Dichter Karl Imfeld steht im Zentrum der Lesung mit Uraufführung.

Der Obwaldner Dichter Karl Imfeld steht im Zentrum der Lesung mit Uraufführung.

Bild: PD

Im August 2020 – kurz bevor sein grosses Lebenswerk, das Obwaldner Mundart-Wörterbuch, neu aufgelegt wurde – ist der Kernser Dichter und Pfarrer Karl Imfeld verstorben. Damals konnte in Obwalden wegen Corona weder eine Buchvernissage noch eine öffentliche Lesung stattfinden. «Nun aber holen wir dies nach, indem wir den Autor, Sprachforscher und Volkskundler umfassend und vor allem auch generationenübergreifend würdigen», sagt Regisseur und Kenner Gery Dillier. Die «Hommage an Karl Imfeld» bildet den glanzvollen Auftakt zum Herbstprogramm der IG Buch Obwalden.

Im Mittelpunkt steht dabei eine Hommage in drei Blöcken, die der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart eigens gestaltet hat und auch vortragen wird. Diese soll alle Aspekte von Karl Imfelds Schaffen umfassend beleuchten. Franz Enderli – früherer Obwaldner Kulturdirektor und Laientheologe – wird Karl Imfeld würdigen. Als Freund und Wegbegleiter. «Ganz wichtig aber ist uns», so Gery Dillier, «dass bei diesem Anlass auch eine Stabübergabe an jüngere Generationen stattfindet.» Deshalb habe man an junge Musiker Kompositionsaufträge erteilt. Die Duos Christoph Blum/Johanna Schaub und Antonia Gasser/Jul Dillier tragen Texte des Mundartdichters liedhaft und musikalisch vor.

Sehr interessant dürfte die zehnminütige Darbietung zweier junger Robotertechniker und Videokünstler – Maximilian Lederer und Yves Gubelmann – sein. Beide waren von der Persönlichkeit und dem Werk Karl Imfelds angetan. Bis zu dessen Tod hatten sie ihn immer wieder besucht. Der Anlass findet am Samstag, 28. August, im Theater Altes Gymnasium Sarnen statt.

Dürrenmatt und Jan-Philipp Sendker

Der Zirkel unter dem Motto «Lesen und Lesen lassen» ist mit der Übernahme der Sarner Buchhandlung durch die Familie Dillier entstanden. Damals schrieb die Kulturmanagerin Doris Mennel eine Diplomarbeit mit dem Titel «Entstehung eines Literaturzirkels in Obwalden». Der Buchladen wurde baulich so gestaltet, dass er sich als Begegnungszentrum präsentiert, und es entstand die IG Buch Obwalden. «Inzwischen haben wir 120 zahlende Mitglieder und 240 Interessenten», freut sich Leiterin Doris Mennel. Bei den Einladungen an Autorinnen und Autoren achtet man auf einen guten Mix aus landesweit bekannten Grössen wie etwa Pedro Lenz oder Peter Stamm und einheimischen Schreibenden.

Mit neuen Programmen immer wieder in Sarnen zu Gast ist der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart. In einer Matinee, am 5. September, präsentiert er, zusammen mit dem Flötisten Matthias Ziegler, eine Trouvaille: Friedrich Dürrenmatts ziemlich unbekannte Erzählung «Die Mondfinsternis». Sie war der Urstoff, aus dem der Dramatiker später die Tragikomödie «Der Besuch der alten Dame» geschaffen hat. In dieser Geschichte ist die Hauptfigur ein Millionär, der aus Kanada kommt und daheim noch eine Rechnung offen hat. Güllen heisst Flötigen und ist ein abgelegenes kleines Bauerndorf.

Geschichte zweier asiatischer Geschwister

Einen besonderen Höhepunkt im Programm verdankt die IG Buch Obwalden dem freundschaftlichen Kontakt ihrer Leiterin Doris Mennel zum deutschen Bestsellerautor und früheren Asien-Korrespondenten Jan-Philipp Sendker. «Er kommt am 7. September mit seinem eben erschienenen Roman ‹Die Rebellin und der Dieb› nach Sarnen», freut sich Mennel. Ein spannendes Buch, wie sie weiss. «Es geht um die Geschichte zweier asiatischer Geschwister, die unverschuldet in tiefe Armut stürzen und sich gegen ihr Schicksal wehren», verrät sie. Sendkers frühere Romane, die meist in Burma spielen, wurden in 35 Sprachen übersetzt.

Im Oktober und November sind zwei weitere Gäste eingeladen: der Luzerner André Winter mit der ebenso humorvollen wie ans Herz gehenden Erzählung «Immer heim» über den Knecht Joseph Bitzi, der ein Heim mit viel List zum Daheim für alle macht. Und schliesslich ist da auch noch Isabella Huser: Sie geht der Geschichte ihres jenischen Vaters auf den Grund, und ihr Roman «Zigeuner» spielt unter anderem in Ob- und Nidwalden.

Hinweis: Das Programm der IG Buch Obwalden plant von August bis November 2021 sechs Veranstaltungen im Theater Altes Gymnasium, im Metzgernsaal, im alten Spritzenhaus oder in der Kantonsbibliothek Sarnen. Mehr Informationen unter www.buecherdillier.ch.