Sarnen
Im Klostergarten selber Biogemüse ernten

Der Gemüsegarten des Klosters St. Andreas ist ein Schlaraffenland. Wer ein Abo besitzt, darf dort aus dem Vollen schöpfen.

Romano Cuonz
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Benito Omlin und Petra Stöckli von «Pastarazzi» (links) ernten Gemüse. Die Klostergärtnerin Gabriela Fleischer und Äbtissin Rut-Maria Buschor (ganz rechts) freut's.

Benito Omlin und Petra Stöckli von «Pastarazzi» (links) ernten Gemüse. Die Klostergärtnerin Gabriela Fleischer und Äbtissin Rut-Maria Buschor (ganz rechts) freut's.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 1. Juni 2022)

Blattsalat, Lauchstangen, Rübkohl, Zucchetti, Fenchel, Erdbeeren und, und, und – ein Angebot, das einem wahrlich das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. All dies spriesst und gedeiht zurzeit in einem «Selbsterntegarten» im Sarner Frauenkloster St.Andreas. Daneben wachsen dort auch Blumen. Ernten können all dies Abonnentinnen und Abonnenten jeweils am Montag, Mittwoch und Samstag.

Während Jahrzehnten blieb der paradiesische Klostergarten wegen der strengen Klausur der dortigen Benediktinerinnen hinter hohen Mauern verborgen. Seit März 2019 jedoch leben hier über 20 Schwestern der Klöster Melchtal, Wikon und Sarnen miteinander im Benediktinischen Zentrum. Dies brachte eine gewisse Öffnung der Anlagen für Besucherinnen und Besucher. Nun setzen die Sarner Schwestern unter ihrer Äbtissin Rut-Maria Buschor ein weiteres fruchtbares Zeichen. Sie stellen etwa 1000 Quadratmeter ihres Gartens für den Anbau von Gemüse, Kräutern und Blumen zur Verfügung. Für sich beanspruchen sie davon nur einen Teil. Die grössere Menge dürfen private Personen – Familien oder Kleinbetriebe – ernten und verwenden.

Hinter den Mauern des Sarner Frauenklosters breitet sich ein wahres Schlaraffenland für Biogemüse-Liebhaber aus.

Hinter den Mauern des Sarner Frauenklosters breitet sich ein wahres Schlaraffenland für Biogemüse-Liebhaber aus.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 1. Juni 2022)

Die Idee, den kleinen Gemüsegarten zum grossen Selbsterntegarten umzugestalten, war von aussen an die Schwestern herangetragen worden. Letzten Sommer klopften nämlich Olivia Stafflage und Madeleine Michel an der Klosterpforte an und stellten der Äbtissin unter dem Stichwort «Selbsterntegarten» ihre Pläne vor.

Lebensnaher Bezug zu biologischem Gemüse

Wer im Netz das Stichwort «Selbsterntegarten» eingibt, stösst schnell einmal auf die Namen Olivia und Tobias Stafflage. Die beiden besitzen die rund eine Hektare grosse Liegenschaft Summerweid im Berggebiet zwischen Sarnen und Wilen. Darauf stehen ein Wohnhaus und ein Stall. Es gibt Weideland, Wald, ein Bienen- und ein Hühnerhaus. Und eben auch ein mit mannigfaltigem Gemüse und Blumen bepflanzter Selbsterntegarten. Als Erklärung steht da: «Wir sind eine Gemeinschaft, die sich selber versorgt. Hier werden Gärten angelegt, bei denen die Mitglieder ihr Gemüse, ihre Blumen und ihre Kräuter selbst ernten können.» Die Idee überzeugte, und die Nachfrage war bald so gross, dass man neben der Summerweid weitere Pflanzflächen suchen musste. Vorerst kam der «Rollboden» in Kerns dazu. Und dann fragte man beim Frauenkloster Sarnen an.

«Ich besprach das Anliegen mit den Mitschwestern, und sie fanden, dass dies eine gute Idee sei», sagt Äbtissin Rut-Maria zufrieden.

«Ich besprach das Anliegen mit den Mitschwestern, und sie fanden, dass dies eine gute Idee sei», sagt Äbtissin Rut-Maria zufrieden.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 1. Juni 2022)

«Ich besprach das Anliegen mit den Mitschwestern, und sie fanden, dass dies eine gute Idee sei», erklärt die Äbtissin Rut-Maria. So habe man einer Probephase zugestimmt. Als der Engelberger Abt Christian Meyer davon gehört habe, sei auch er erfreut gewesen, sagt die Äbtissin.

Nun konnten Olivia Stafflage und Madeleine Michel eine Gartenplanung vornehmen. Setzlinge wurden beschafft und die bestehende Anbaufläche gleich ums Doppelte vergrössert. Platz ist im Klostergarten genügend vorhanden. Zusammen mit der Klostergärtnerin, Schwester Gabriela Fleischer, verrichteten und verrichten die beiden Frauen die Pflanz- und Jätarbeit im Garten. Heute stellt man fest: Hinter den Klostermauern gedeihen Gemüse aller Art und auch Beeren mehr als prächtig. Entsprechend gross ist das Interesse. Äbtissin Rut-Maria stellt erfreut fest: «Im Moment sind es 14 Familien und dazu eine kreative Gastrofirma, die Abos gelöst haben.» Leute seien es, die gerne einen Gemüsegarten hätten, denen jedoch dafür der nötige Boden fehle. Wer vom Biogemüse profitiert, kommt an zwei Helfertagen im Jahr her und unterstützt die Gärtnerinnen bei aufwendigen Arbeiten. «So ist beispielsweise auch ein Tomatenhaus aufgestellt worden», erzählt die Äbtissin. Und sie hält fest: «Wir ermöglichen anderen Menschen, von unserem Garten zu profitieren, und unsere Schwestern freuen sich über die neuen Kontakte.»

Begeisterte Stimmen von Feinschmeckern

Die Klostergärtnerin Schwester Gabriela ist mit 48 Jahren die landesweit jüngste Benediktinerin. Bei Gartenarbeiten packt sie kräftig zu. «Dass wir nun mehr als genug eigenes Biogemüse für die Klosterküche ernten können, ist wunderbar», sagt sie. Schön sei auch, wenn Kinder mit ihren Eltern in den Garten kämen und sich etwa über die Klosterziegen freuten. «Kürzlich kam eines mit einem toten Käfer zu mir und wollte Auskunft», lacht die Klostergärtnerin.

Die Sarner Klostergärtnerin Schwester Gabriela Fleischer im Selbsterntegarten des Klosters. Sie geniesst den Kontakt zu den 14 Familien, die im Garten mitarbeiten.

Die Sarner Klostergärtnerin Schwester Gabriela Fleischer im Selbsterntegarten des Klosters. Sie geniesst den Kontakt zu den 14 Familien, die im Garten mitarbeiten.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 1. Juni 2022)

An diesem Morgen erscheinen im Garten gleich mehrere Gemüse-Feinschmecker. Wo sie ernten dürfen, zeigen ihnen Schweizer Fähnchen am Rand der Beete an. Heute sind die Kohlrabi reif, dazu Lauch, Fenchel, Schnittsalat, Spinat, Radieschen und Erdbeeren. Benito Omlin, Koch bei der Sarner Firma Pastarazzi, schwärmt:

«Es ist natürlich traumhaft, dass wir
in diesem Garten Gastrecht erhalten.»

Und seine Kollegin Petra Stöckli fügt hinzu: «Wir haben Geschäfte in der halben Zentralschweiz und können dank dieses Angebots unseren Kunden stets frisches Gemüse oder Salate anbieten.» Besonders leckeres Gemüse wird von «Pastarazzi» auch in Ravioli oder anderen Teigwaren verarbeitet. Wahre Delikatessen aus dem Klostergarten!

Der Selbsterntegarten erlaubt es zahlreichen Personen, sich biologisch, saisonal und regional zu ernähren. Das geht von mühsam aus dem Boden gezogenen, krummen «Rüebli» bis zu saftigen, prallen Cherrytomaten.

Hinweis: Anmeldungen oder weitere Auskünfte zum Selbsterntegarten im Kloster St.Andreas an info@selbsterntegarten.ch oder telefonisch an Olivia Stafflage unter 076 381 86 88.