Sarnen
Wohnen im «Salzherrenhaus»: Die Restauration des denkmalgeschützten Hauses wird vielfältig und kompliziert

Die ehemalige Löwenapotheke in Sarnen wird von Bauherr Bernhard Burch stilgerecht renoviert.

Markus Villiger
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Das Salzherrenhaus soll wieder als Wohnhaus genutzt werden.

Das Salzherrenhaus soll wieder als Wohnhaus genutzt werden.

Bild: PD

Die Baugeschichte des stattlichen Wohn- und Geschäftshauses beginnt im Jahr 1544. Damals wurde das sogenannte «Salzherrenhaus» für Landammann Nikolaus Imfeld erbaut. Im Frühjahr 1562 ist es bis auf den gemauerten Unterbau abgebrannt. Der Wiederaufbau erfolgte in den nachfolgenden Jahren. 1647 wurde es als Gästehaus Zum Roten Löwen bekannt. Die Ergänzung «zum Roten» weist auf den damaligen roten Anstrich des Hauses hin. Im Jahr 1792 war Felix Josef Stockmann Besitzer des Hauses. Gleichzeitig amtete er als Salzherr von Obwalden, daher der Name Salzherrenhaus. 1979 erfolgte eine Fassadenrenovation und 1990 die Restaurierung der Apotheke.

Investor Bernhard Burch, Wilen, hat im Sommer 2019 die Liegenschaft käuflich erworben. Das stattliche Haus steht an prominenter Stelle an der Abzweigung der Grossgasse zur Bahnhofstrasse in Sarnen und ist seit September 1999 unter Denkmalschutz. Bernhard Burch will das historische Gebäude an der zentralen Lage wieder dem ursprünglichen Zweck als Wohnhaus mit Gewerbefläche im Erdgeschoss zuführen.

Das Ladenlokal im Erdgeschoss, in dem sich die ehemalige Löwenapotheke befand, lässt verschiedene Nutzungsmöglichkeiten zu und soll erhalten bleiben. In den drei Obergeschossen werden drei Fünfzimmerwohnungen gebaut. Das Dachgeschoss beinhaltet einen Estrich, der allerdings nicht ausgebaut wird. Architekt und Bauleiter Bruno Küng erwähnt gegenüber unserer Zeitung, dass für das Gebäude Mieter gesucht werden, die es schätzen, in einem historisch restaurierten Haus zu wohnen. Der Bezugstermin für die Wohnungen und das Ladenlokal in der Grössenordnung von 44 Quadratmetern mit weiteren Nebenräumen kann voraussichtlich ab Anfang Sommer festgelegt werden.

Eine stilgerechte Restaurierung braucht Fingerspitzengefühl

Die stilgerechte Restaurierung des repräsentativen Gebäudes wird zwei Jahre dauern. Sie wird im Einvernehmen mit der kantonalen Denkmalpflege ausgeführt. Bruno Küng, Architekt HTL, Sarnen, ist für die Planungsarbeiten und die Bauleitung zuständig. Die Kosten werden mit rund vier Millionen Franken ausgewiesen.

Wie gestaltet sich die Restaurierung im Innenbereich? Im Gespräch mit der «Obwaldner Zeitung» skizziert Architekt Bruno Küng die Restaurierungsarbeiten. Ein Augenschein vor Ort zeigt, dass die Arbeiten vielfältig und zum Teil sehr kompliziert sind. «Ein so geschichtsträchtiges grosses Haus zu restaurieren, braucht nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch fachliches Wissen und Anpassungsfähigkeit aller Beteiligten», berichtet Bruno Küng. Im Innenbereich geht es um eine Gesamtsanierung aller Konstruktionen und Oberflächen, den Einbau zusätzlicher Wärmedämmung und Brandschutzbekleidungen. Die bestehenden Oberflächen, wie Parkett-Bodenbeläge, Holzkassetten an den Wänden und den Decken werden wieder verwendet und fachgerecht eingebaut. Ebenfalls werden die restaurierten Türen wieder eingesetzt. Sämtliche Installationen wie Elektro, Sanitär und Heizung (Fernwärme) werden erneuert. Die Wohnungen erhalten neu Dusche/WC-Räume. Die sechs Kachelöfen bleiben bestehen. Vier davon wurden demontiert und werden wieder aufgebaut.

Die Hausfassade erhält einen neuen Anstrich, wobei die Farbe zurzeit noch nicht definitiv bestimmt ist. Auf der Südwestseite soll der eingeschossige Erker auf drei Geschossen erweitert und als Balkone ausgestaltet werden.

Im Hinterhof der ehemaligen Löwenapotheke befindet sich ein Ökonomiegebäude, das bestehen bleibt. Dieses wird zu einem späteren Zeitpunkt in eine neue Arealüberbauung integriert. Die neue Nutzung ist noch nicht genau definiert. Hingegen wird das benachbarte «Soda-Gebäude» demnächst abgebrochen. Es diente in früheren Jahren der Familie Stockmann als Produktionsstätte für Mineralwasser.