Sommerserie Energiepioniere
Die Sarner Trinkwasserreservoire sind auch Kraftwerke

Wenn Sarner Wasser aus den Hahnen sprudelt, hat es auf seinem Weg von der Quelle bis zum Reservoir eine Turbine angetrieben. Die Gemeinde spielte damit vor gut 30 Jahren eine Pionierrolle.

Matthias Piazza
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Leo Zberg, Leiter Wasserversorgung Sarnen, im Reservoir Gubermatt, neben der Turbine.

Leo Zberg, Leiter Wasserversorgung Sarnen, im Reservoir Gubermatt, neben der Turbine.

Bild: Urs Hanhart (Obstalden, 8. Juli 2021)

Laut dröhnt die Turbine. «1600 Liter Wasser pro Minute schiessen mit hohem Druck durch die Schaufelräder», erklärt Leo Zberg, Leiter der Wasserversorgung Sarnen. Man wähnt sich in der Turbinenhalle eines Kleinwasserkraftwerkes. Dabei ist hier Stromerzeugung nur ein positiver Nebeneffekt. Wir sind im bisher neusten Trinkwasserreservoir der Wasserversorgung Sarnen, jenem auf Gubermatt in Obstalden. Zwei riesige Becken fassen je 250 Kubikmeter Trinkwasser – für Sarnen, Wilen, Stalden, Kägiswil. Wenn das neue Reservoir in Sarnen und die dazu nötige Leitung gebaut sind, kann von hier aus bei Bedarf auch der Ortsteil Ramersberg versorgt werden. Trinkwasser, das höchsten hygienischen Ansprüchen genügen muss und elektromechanische Maschinen: Dies sei unbedenklich, beruhigt Leo Zberg. Eine Verschmutzung sei ausgeschlossen. «Das Wasser kommt nur mit den Schaufeln aus Chromstahl in Berührung. Die Technologie ist langjährig erprobt.» Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach produziert zusätzlichen Strom.

Dereinst Strom für einen Fünftel der Sarner Bevölkerung

Die Anlage Gubermatt ist damit keine Besonderheit. Wenn die Sanierung des Trinkwassersystems für 20,8 Millionen Franken in voraussichtlich vier Jahren abgeschlossen ist, werden acht bis neun Turbinen mit dem Druck von Sarner Quellwasser rund drei Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Davon kommen jährlich 22'500 Kilowattstunden von vier Fotovoltaikanlagen. Das ist gesamthaft genug Strom für einen Fünftel der Sarner Bevölkerung. Oder anders gesagt, deckt die produzierte Strommenge voraussichtlich den Bedarf von etwa 600 Haushalten ab.

Momentan liefern die sechs Turbinen und zwei Fotovoltaikanlagen 1,2 Millionen Kilowattstunden, was damit etwa dem Jahresverbrauch von 300 Vierpersonenhaushalten entspricht. Nebst Gubermatt ist auch schon das Reservoir Talen in Oberwilen gebaut. Nur noch das Reservoir Buechetsmatt fehlt. Auch schon einige der 21 Quellfassungen sind bereits saniert.

Wasserversorgung mit Auszeichnung

Für diese Dreifachnutzung des Wassers erhielt die Wasserversorgung Sarnen mit ihrem Leiter Leo Zberg und der damaligen zuständigen Gemeinderätin Anna Kathriner 2019 den Infrawatt-Innovationspreis, überreicht vom damaligen Tessiner Ständerat Filippo Lombardi und Martin Sager, Direktor des Schweizerischen Vereins für Gas und Wasser (SVGW). Mit dem Preis wolle man dem guten Beispiel von Sarnen möglichst viele Wasserversorgungen ermuntern, die eigenen Potenziale zur Energieeffizienz prüfen zu lassen, begründete der Verein damals, der sich für eine energieeffiziente und sinnvolle Nutzung von Abwasser, Abfall, Abwärme und Trinkwasser einsetzt.

Das Reservoir Gubermatt von aussen.

Das Reservoir Gubermatt von aussen.

Bild: Urs Hanhart (Obstalden, 8. Juli 2021)

Die erste Turbine war bei einem Sarner Wasserreservoir schon im Einsatz, als erneuerbare Energien noch kaum einen Stellenwert hatten. «Als meine Vorgänger 1992 begannen, aus Trinkwasser Strom zu gewinnen, waren wir schweizweit Pioniere», sagt Leo Zberg nicht ohne Stolz. Aus seiner Sicht liegt dieser Mehrfachnutzen auf der Hand. «Das Wasser kommt von den Quellfassungen auf 1400 Metern über Meer mit hohem Druck in die Reservoire. Druck muss vernichtet werden. Macht man dies mit Turbinen, produziert man nebenbei noch Strom, quasi als Abfallprodukt. Zudem leisten wir so einen Beitrag zu erneuerbaren Energien und verdienen mit dem Verkauf des Stroms etwas Geld.» Das sei bei den zurzeit niedrigen Strompreisen zwar nicht sehr viel. Aber genug, damit sich dies längerfristig positiv auf den Wasserpreis auswirke, den der Bürger zu berappen habe.

In der Sommerserie Energiepioniere stellen wir innovative Projekte in der Energiegewinnung und die Köpfe dahinter vor.