Statt in die Ferien zu fahren, arbeitet Obwaldner Familie im Circus Monti

Luzia Abächerli und Martin Führer aus Alpnach verbringen mit ihren zwei Kindern Lukas und Isabel eine Saison im Zirkus. Für das Ehepaar ist der Circus Monti eine Herzensangelegenheit – im wahrsten Sinne des Wortes.

Roger Rüegger
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Ehepaar Lucia Abächerli und Martin Führer bei der Küchenarbeit. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 19.9.2018))

Ehepaar Lucia Abächerli und Martin Führer bei der Küchenarbeit. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 19.9.2018))

Wenn andere Familien für wenige Wochen in die Badeferien ans Meer oder zum Wandern in die Berge fahren, ziehen Luzia Abächerli (48) und Martin Führer (54) mit ihren Kindern Lukas (12) und Isabel (10) mit einem Zelt von einer Deutschschweizer Stadt zur anderen. Die Familie aus Alpnach ist aber deutlich länger unterwegs – und das Quartett entspannt sich dabei auch nicht ferienhalber auf Campingplätzen, sondern führt einen Arbeits-beziehungsweise Schulalltag.

Die Waldkindergärtnerin, der Pflegefachmann und die Schulkinder sind von Mitte Juli bis Ende November mit dem Aargauer Circus Monti auf Tournee. Derzeit gastieren sie in Luzern beim Lido. Sie haben sich – wieder einmal - als Mitarbeiter beworben. Die Eltern Luzia und Martin kochen für die Belegschaft sowie für die Artisten, ihre Kinder besuchen morgens zusammen mit Katja Lehmann, der Tochter einer weiteren Mitarbeiterin, die Privatschule des Circus. Für ihre Auszeit vom normalen Leben hat sich das Ehepaar von ihren Arbeitgebern für die Saison beurlauben lassen und auch die Kinder haben von der Schule für diese Zeit eine Genehmigung zum Fernbleiben bekommen.

Das Zirkusleben ist eine andere Welt. «Hier ist der Alltag entspannter als im üblichen Arbeitsumfeld. Die verschiedenen Entscheidungen von zu Hause kannst du vergessen, weil hier vieles strukturierter abläuft», betont Martin. Fast alles sei vorgegeben. «Wenn der Circus einen neuen Spielort erreicht, helfen praktisch alle beim Zeltaufbau.» Genauso sei es, wenn das Zelt abgebaut werde. Auch während der Vorstellungen seien die meisten eingebunden. «Wir verkaufen Zuckerwatte oder Souvenirs. Monti-Gründer Guido Muntwyler wollte, dass jeder beim Auf-und Abbau mithilft und Kontakt zum Publikum hat.»

Alle im Zirkus wussten, dass aus Luzia und Martin ein Paar wird

Der Circus Monti ist eine Herzensangelegenheit für die Familie. Im wahrsten Sinn des Wortes. Luzia und Martin, die ihre 5. Saison im Circus verbringen, lernten sich 1993 bei ihrem ersten Einsatz kennen. «Für alle anderen hier war klar, dass wir beide ein Paar werden würden. Nur wir wussten es nicht», beschreibt Luzia ihr Zusammenkommen.

Ihr Engagement als Circusmitarbeiterin basiert auf ihrer Begeisterung für den charismatischen Clown Monti, von dem sie fasziniert war, seit sie ihn an einer Vorstellung 1992 gesehen hatte. Hinter dem Clown steckte der 1999 verstorbene Circusgründer Guido Muntwyler. «Als ich in der Vorstellung sass, bemerkte ich auch die Leute, die ausserhalb der Manege tätig waren. Ich wollte auch zu denen gehören», sagt Luzia. So habe sie den Clown nach der Vorstellung gefragt, wie man zum Circusmitarbeiter wird. Dieser habe entgegnet: «Du kannst gleich anfangen!» Mit dieser Antwort hatte die Frau nicht gerechnet. Sie sei plötzlich nicht mehr sicher gewesen. Was würden die Eltern und die Leute zu Hause sagen? «In Alpnach hat man eine anständige Arbeit und zieht nicht mit dem Circus um die Welt», dachte sie damals. Die Befürchtungen waren unbegründet. «Meine Eltern sagten: Wenn du das willst, dann tu es», sagt Luzia.

Ganz anders war der Einstieg bei Martin. Der Mann aus Langenthal konnte anfänglich nichts mit Zirkus anfangen. Dafür aber sein Bruder. «Der organisierte 1992 ein WWF-Ferienlager im Circus Monti. Ich ging als Leiter mit, und merkte, dass mir das Leben rund um das grosse Zelt mit den Artisten und Clowns gut gefällt. So gut, dass ich mich im folgenden Jahr meldete», erzählt er. Der Rest ist bekannt.

«Es mangelt an nichts, aber die Arbeitstage im Zirkus sind lang.»

Die Kinder Katja Lehmann, Lukas Führer und Isabel Führer (von links) des Circus Monti im Schulunterricht. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 19.9.2018))

Die Kinder Katja Lehmann, Lukas Führer und Isabel Führer (von links) des Circus Monti im Schulunterricht. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 19.9.2018))

Das Leben im Wohnwagen schmeckt der Familie. Allerdings haben sich Luzia und Martin im Vorfeld Gedanken gemacht, da sie jetzt ja zu viert sind. «Uns wird vom Circus ein Wohnwagen zur Verfügung gestellt. Aber wir wollten einen eigenen für die Kinder. So kauften wir zum ersten Mal in unserem Leben ein Auto und dazu einen Wohnwagen», sagt Luzia. Zu Beginn taten sich die Kinder schwer. Sie vermissten ihre Kameraden aus der Schule. Aber nach und nach haben sie sich an das spezielle Leben gewohnt. Besonders die Schule zu dritt finden sie interessant – und dass man nur morgens in den Unterricht muss. «Es ist auch cool, dass wir immer die Vorstellungen sehen können», sagt Lukas. Der Clown gefällt Isabel besonders, und auch das Trapez findet sie spannend.

Bei all den schönen Worten, das Leben im Circus ist intensiv. «Auch wenn es hier an nichts mangelt, die Arbeitstage sind lang. Nach einem Auf – oder Abbau spürt man die körperliche Arbeit. Es ist nicht mehr so anstrengend wie früher, da heute viel Material auf Paletten transportiert und mit Maschinen verladen wird», sagt Martin. «Aber es hänkt a!» Vermutlich werde er nicht mehr manche Saison mitfahren. Er hält aber fest «Für junge Leute ist eine Reise mit dem Circus eine ganz coole Erfahrung, die man unbedingt machen sollte.»

Circus Monti-Vorstellungen in Luzern: Freitag 20 Uhr, Samstag 15 und 20 Uhr, Sonntag 15 Uhr. www.cirkus-monti.ch