Strommangellage
Obwalden setzt auf erneuerbare Energien

Die FDP Giswil liess über die Stromknappheit diskutieren. Regierungsräte und das EWO reagieren darauf besorgt, aber gefasst.

Romano Cuonz
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«Strommangel ist nicht Schwarzmalerei, sondern eine echte Gefahr, die uns bereits im nächsten Winter, mehr als uns lieb ist, beschäftigen könnte», sagte alt Regierungsrat Paul Federer. Damit man sich dazu auch in Obwalden frühzeitig Gedanken macht, lud «Business Network Obwalden» mit den Partnern Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) und FDP Giswil zu einem Diskussionsabend ein. Das Interesse war gross. Im Saal des Hotel Bahnhof blieb kein Platz frei!

Prominentes Podium diskutierte über die Strommangel (von links): Josef Hess, Remo von Ah, Hansruedi Aggeler, Daniel Wyler und Thomas Baumgartner.

Prominentes Podium diskutierte über die Strommangel (von links): Josef Hess, Remo von Ah, Hansruedi Aggeler, Daniel Wyler und Thomas Baumgartner.

Bild: Romano Cuonz (Giswil, 14. September 2022)

Thomas Baumgartner (CEO des EWO und Kantonsrat) skizzierte ohne Angstmacherei, aber sehr realistisch drei mögliche Massnahmen bei einer Strommangellage: Zuerst müsste man mit Verboten und Verbrauchseinschränkungen von nicht absolut notwendigen Einrichtungen wie Klimaanlagen, Rolltreppen, Schaufensterbeleuchtungen oder Schwimmbädern rechnen. Bei einer Kontingentierung würden alle Grossverbraucher verpflichtet, eine angeordnete Energiemenge einzusparen. Im schlimmsten Fall käme es zu zyklischen Abschaltungen mit mehrstündigen Unterbrüchen für Bezüger. Dies würde beispielsweise bedeuten, dass die Zentralbahn ihren Verkehr einstellen müsste! Dass es schon 2023 so weit kommen wird, glaubt Thomas Baumgartner allerdings nicht. Dennoch forderte er die Anwesenden auf:

«Es ist an der Zeit, dass man sich zur Energie Gedanken macht und beim Energieverbrauch sensibler wird.»

Das EWO investiere zurzeit, und in Zukunft, gezielt in erneuerbare Energien: Wasser- und Windkraft, Fotovoltaik. «Ziel ist es, die Technologien intelligent miteinander zu verknüpfen», postulierte Baumgartner. Indessen: Der Gesetzgeber müsse nun die Rahmenbedingungen so anpassen, dass Projekte nicht durch Einsprachen auf Jahrzehnte hinaus verzögert würden.

Regierung verspricht Vorwärtsstrategie

Obwaldens Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler bezifferte in seinem Referat die Ausgangslage Obwaldens. Wichtigste Feststellung: Die heimische Stromerzeugung ist zwar gross, dennoch ist man im Winter auf Importe aus dem Ausland, namentlich aus französischen AKWs, angewiesen. «Dass man das Atomkraftwerk Mühleberg abgeschaltet und nicht ersetzt hat, erweist sich jetzt als Kurzsichtigkeit», monierte Wyler. Kontingentierung und Abschaltungen müsse man um jeden Preis verhindern. Auf dem Spiel stünden Arbeitsplätze und Mobilität.

«Den Ausbau bestehender und weiterer Anlagen müssen wir beschleunigen und bei der Speicherung von Sommerstrom nach neuen technischen Möglichkeiten suchen»,

lautete Wylers Botschaft. «Überlegungen müssen wir anstellen, bevor wir drauflosbauen und basteln, sonst kommt das böse Erwachen!», sagte er.

Josef Hess beteuerte, dass Obwalden seit mehr als zehn Jahren bestrebt sei, eine zeitgemässe Energiepolitik voranzutreiben. «Wir haben viel in energiesparende Gebäudetechnik investiert, das führt langfristig zu einer Entspannung», sagte er. Auch besitze Obwalden Reserven an Holz, das man unter anderem als Brennholz nutzen könne. In Sachen Bau von weiteren AKWs waren Josef Hess und EWO-CEO Thomas Baumgartner einer Meinung: Diese Technik sollte man nicht wieder aufnehmen, weil sie risikobehaftet und zu teuer ist. Weder der Bezug von Uran noch die Entsorgung des Abfalls seien befriedigend gelöst.

Thomas Baumgartner (CEO, EWO) beschrieb Obwaldner Szenarien bei Strommangel.

Thomas Baumgartner (CEO, EWO) beschrieb Obwaldner Szenarien bei Strommangel.

Bild: Romano Cuonz (Giswil, 14. September 2022)

Vorausdenkende Obwaldner Unternehmer

Zu Wort kamen auch zwei Obwaldner Unternehmer. Remo von Ah vom Wärmeverbund Giswil führte aus: «Wir betreiben ein Heizwerk im Wärmeverbund und betreuen 130 Kunden mit neun Kilometern Leitungen.» Als zusätzliches Standbein würde man den eigenen Wald bewirtschaften. Man habe in erneuerbare Energien investiert und betreibe in einer neuen Bauzone das erste Arealnetz Obwaldens. «Damit können wir Unternehmen, die sich dort ansiedeln, mit Energie und Strom beliefern», so von Ah.

Hansruedi Aggeler ist Verwaltungsrat der Käserei Seiler in Giswil. Er sagte: «Kurzfristig können wir uns Stromausfälle noch leisten, langfristig aber suchen wir nach Alternativen.» Bereits habe man auf einem Neubau eine grosse Fotovoltaik-Anlage gebaut. Langfristig aber werde man wohl die Wasserstofftechnologie in Betracht ziehen. Auch ein Notstromaggregat für Notfälle sei in Diskussion.

Im Saal stiessen die Referenten auf grosses Verständnis. Kritik kam nur vereinzelt auf. Der Lungerer Elektrofachmann Hans Furrer etwa warf die Frage auf, warum das EW-Obwalden die Strompreise um 40 Prozent erhöhe und das EW-Nidwalden nur um vier Prozent. Thomas Baumgartner wies darauf hin, dass sich die Ausgangslage der beiden Unternehmen im Strommarkt nicht vergleichen liesse. Weiter diskutiert wurde diese komplexe Frage darauf nicht mehr.