Titlis-Frutt-Hasliberg
Stiftung Landschaftsschutz ist gegen Zusammenschluss der Skigebiete

Eine Machbarkeitsstudie hält ein zusammenhängendes Skigebiet vom Titlis bis auf den Hasliberg für sinnvoll. Ganz anders sieht das die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.

Florian Arnold
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Die Idee ist Jahrzehnte alt. Seit Montag liegen aber neue Fakten vor für einen Zusammenschluss der Skigebiete Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg. Eine vertiefte Machbarkeitsstudie zeigt auf, dass eine Verbindung technisch machbar und unter gewissen Voraussetzungen auch rentabel zu betreiben wäre. «Dass nun ein solches unrealistisches Projekt neu lanciert wird, hat mit dem harten Konkurrenzkampf unter den Schweizer Skigebieten bei gesamthaft zurückgehenden Skier Days zu tun», schreibt Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL), in einer Stellungnahme.

Das zusammengeschlossene Skigebiet würde nur zu einer Konkurrenzierung des neuen Skigebietes Andermatt-Sedrun führen, «was volkswirtschaftlich unsinnig wäre», so Rodewald. «Für die SL ist das neue Mega-Skigebiet Titlis-Hasliberg weder ökonomisch noch ökologisch begründbar und alles andere als zukunftsorientiert.» Deshalb positioniere man sich klar dagegen, wie dies auch andere Umweltorganisationen angekündigt hatten.

Verheerende Auswirkungen

Für die Stiftung ist klar: «Die vorgeschlagenen fünf Gondelbahnen und eine Sesselbahn würden die eindrückliche Innerschweizer Seenplatte inklusive eines der eindrücklichsten Schweizer Karstgebiete zerstören.» Insgesamt 79 Masten würden diesen Raum zwischen dem Engstlensee, einem kantonalen Naturschutzgebiet, und der Seenplatte des Tannen-, Melch- und Blausees verunstalten. Das ganze Ausmass des Projektes zeige sich daran, dass über mehrere Kilometer die Gebirgslandschaft zwischen dem Jochpass und Balmeregg/Planplatten verstellt würde. So würden heute «unberührte und faszinierende geomorphologische Naturausprägungen der Alpen in demütigender Art und Weise zerstört». Verheerend wäre auch die Wasserentnahme aus dem Tannensee für die grossflächige Pistenbeschneiung. Richtigerweise komme der Bewertungsbericht zum Schluss: «Die geprüften Seilbahnen würden zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Landschaft führen», zitiert Rodewald aus dem Bericht.

Skifahrer geniessen die guten Schneebedingungen auf dem Titlis.

Skifahrer geniessen die guten Schneebedingungen auf dem Titlis.

Bild: Urs Flueeler/KEYSTONE (Titlis, 8. Mai 2021)

In diesem Gebiet habe man schon 2003 unter dem Titel «Schneeparadies» ein «alpenweit gigantisches Grossskigebiet» realisieren wollen. «Schon damals wurde eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Die Reaktion der Öffentlichkeit gegen dieses Vorhaben war ebenfalls gigantisch: Sämtliche Umweltverbände, auch der SAC und Tausende von Privatpersonen äusserten sich ablehnend. Selbst die kreditgebende UBS zog sich nach einer Begehung mit der SL zurück. Der Kanton Bern hatte sich damals als erster vom Vorhaben distanziert.»

Nicht mehr dasselbe Projekt

Allerdings betonen die Projektverantwortlichen, das neue Projekt habe mit der Idee des «Schneeparadies» nichts mehr zu tun. Es gehe nun nur noch um eine Verbindung ohne irgendwelche zusätzlichen «Beschäftigungsanlagen». Beat von Wyl, der die Kommission betreffend Natur und Landschaft begleitet hat, rief bei der Pressekonferenz am Montag in Erinnerung, dass das Gebiet in den Obwaldner und Berner Richtplänen als touristisches Schwerpunktgebiet ausgeschieden sei. «Die Belastungen können deshalb gut begründet werden. Die Konzentration auf heute schon intensiv genutzte Gebiete schützt die anderen naturnahen Gebiet», so von Wyl. Eingriffe könnten durch eine Aufwertung der Lebensräume in der nahen Umgebung kompensiert werden. Die Belastungen seien auch weit unterhalb der früheren Idee Schneeparadies.