Kolumne
«Ürner Asichtä»: Wenn der Montag wieder «normal» ist

Ob das Klima, Corona oder die Ukraine: Seit geraumer Zeit jagt eine Krise die nächste. Ein Stück «Normalität» findet Ralph Aschwanden in solchen Zeiten im Vereinswesen und hebt dessen Stellenwert hervor.

Ralph Aschwanden, Vorsteher Amt für Kultur und Sport
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Ralph Aschwanden ist seit 25 Jahren im Musikverein aktiv dabei.

Ralph Aschwanden ist seit 25 Jahren im Musikverein aktiv dabei.

Bild: Urner Zeitung

Seit mehr als zwei Jahren sind wir mit immer neuen, ungewohnten und meist wenig erfreulichen Nachrichten konfrontiert. Und so ist die Schweiz im Krisenmodus. Sonderstäbe, Krisenstäbe, Lockdowns, schrille Diskussionen in der Politik, in den Leserbrief- und Kommentarspalten dominieren das Bild: Klimakrise (schon lange), Coronakrise (angeblich vorbei), Ukraine-Krise, Energie-Krise (wenn auch noch nicht eingetreten), Benzin-Krise …

Falls es Ihnen so geht wie mir, dann wünschen Sie sich manchmal, man könnte all diese Dinge einfach ausblenden. Keine Nachrichten mehr lesen, hören und sehen. Nichts mehr von Krisen, schlechten Nachrichten, unguten Gefühlen. Leider ist das nicht wirklich möglich. Und so ertappe ich mich immer öfters dabei, dass ich mir die alte «Normalität» zurückwünsche. Damit wir uns richtig verstehen: Mit «Normalität» meine ich das Leben vor dem März 2020. Meinen mit der Familie und der Arbeit eingespielten Tages-, Wochen- und Jahresablauf. Die Sicherheit, dass es beispielsweise keine Frage ist, ob die Fasnacht stattfindet – sondern dass es nur darum geht, als was man sich verkleidet. Genau diese «Normalität» meine ich. Ich wünsche mir aber auch das Selbstverständnis zurück, dass kaum etwas das Leben in der Schweiz und in Uri in seinen Grundfesten erschüttern kann. Den Glauben daran, dass wir für alle Eventualitäten gut gerüstet sind. Die Sicherheit, dass Wissen und Diskussionen in unserer Demokratie jederzeit «Fake News» und Verschwörungstheorien in die Schranken weisen.

Die beiden Krisen der vergangenen Jahre – und wohl mittelfristig auch die Klimakrise – zeigen uns indes, dass diese «Normalität» in den kommenden Monaten nicht so schnell zurückkommen wird. Der Krisenmodus hallt bei vielen im Kopf länger nach. Mein Wunsch nach «Normalität» geht deshalb wohl nicht so schnell in Erfüllung.

Und so nehme ich einfach jene Portionen von «Normalität», die sich mir anbieten. Beispielsweise der Montagabend. Jede Woche probt an diesem Tag der Musikverein Seedorf für anstehende Konzerte und Auftritte. Seit fast 25 Jahren bin ich im Musikverein Seedorf aktiv. Und seit Dezember 2021 ist der Montagabend deshalb wieder ein wöchentlicher Fixtermin für mich. Hier musiziere ich gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, tausche mich in den Pausen oder nach den Proben aus – und lasse nach Möglichkeit die «Krisen»-Welt draussen.

Ich bin der Überzeugung, dass unsere Vereinsstrukturen gerade jetzt besonders wichtig sind. Sie bieten ein Stück «Normalität», eine erfüllende Freizeitbetätigung und den zwischenmenschlichen Austausch, der in den vergangenen Monaten zuweilen gefehlt hat. Sie sind aber auch ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens. Sie organisieren öffentliche Veranstaltungen, Turniere oder Vereinsanlässe. Sie bieten ihren Mitgliedern Unterstützung und Support – und vielleicht somit einigen Menschen den Weg aus dem «Krisenmodus» hinaus. Das Vereinswesen mag in den letzten zwei Jahren gelitten haben. Ich bin aber überzeugt, dass die Urner Vereine schon bald wieder ihre wichtige und zentrale Funktion für unsere Gesellschaft erfüllen werden.

Im Musikverein Seedorf zumindest haben wir den Start geschafft. Wir sind zuversichtlich, dass wir uns an den Vereinskonzerten Ende April und am 4. Juni am Urner Blasmusikfestival in Altdorf von unserer besten Seite zeigen können. Bis dahin gibt es noch einige «normale» Montagabende, die ich in der Mehrzweckhalle in Seedorf verbringe. Und was die Welt in den kommenden Monaten für uns alle noch für weitere überraschende Nachrichten bereithalten mag, so freue ich mich schon jetzt auf jeden Montag in meinem «normalen» Verein.